Heinerblog

12.7.2007

Il Teuzzone

Abgelegt unter: Platten, Allgemein — Heiner.Eberle @ 00:18

Mal ernsthaft:

In aller Regel bin ich sehr begeistert von den CDs der Firma Brilliant Classics, die unter anderem bei Zweitausendeins zu bekommen sind.

http://www.zweitausendeins.de/stoebern/?key=Brilliant%20Classics

Nicht nur der Preis ist kaum noch zu unterbieten (bei CD Boxen im Durchschnitt unter € 2,00 pro CD), auch die technische Qualität der Aufnahmen ist zumeist erstklassig, wie auch die künstlerische Leistung der Musiker / Solisten, etc. Auch wenn es keine “Weltstars” sind wie LangLang oder so.

Meistens. Hier, bei dieser Vivaldi Oper, musste ich mich quälen. “Il Teuzzone” von Antonio Vivaldi, als 3 CD Set mit dünnem Booklet von Brilliant Classics, ist sehr anstrengend.

So um 1720 herum hatte man in Italien Geschmack an allerlei chinesischer Folklore entdeckt und so ist auch der Plot dieser Oper eine Geschichte um komplizierte familiäre Verwicklungen und politische Intrigen bei der Thronfolge des chinesischen Kaisers Tronconce, der schon zu Anfang der Oper singend auf dem Schlachtfeld stirbt.

Der Handlung ist dann schwer zu folgen. Die kurze Inhaltsangabe des 3-stündigen Dramas ist nur in englisch auf 2 Bookletseiten abgedruckt, der Text der Oper selbst nur in Italienisch. Das hilft nicht weiter.

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Dann aber musste ich beim Hören manchmal zusammenzucken. Auf der CD 1, Track 1 im langsamen Teil der “Sinfonia” hatte ich zum ersten Mal den Verdacht, dass die Instrumente nicht richtig gestimmt sind. In Track 5 (Arie von Egaro) klingen Flöte und Geige ebenfalls sehr ungewöhlich oder passen stimmlich überhaupt nicht zueinander.

Die Altistin Fernanda Piccini hat mir sehr gut gefallen. Sie singt Zidiana, die Witwe des Kaisers, ganz hervorragend weich und natürlich.

Marcello Lippi als General Siverino ist ebenfalls ein sehr angenehmer, leichter und lockerer Bass, z.B. in Track 9 auf der ersten CD.

Kleine Anmerkung am Rande: In den Details steckt dann doch der günstige Preis: Die Tracks sind im Booklet nur in der Übersicht, aber nicht im Text-Teil markiert. Da muss man sich das selber zusammensuchen. Und Siverino heißt auf der CD Rückseite “Sivenio”. Den Lektor hat man sich also auch gespart.

Über die Sänger oder gar das Orchestra dell’ Opera Barocca del Teatro di Guastalla unter der Leitungvon Sandro Volta erfährt man außer diesem Namen im Booklet rein gar nichts. Es ist aber ein relativ kleines Orchester, spielt sehr zurückhaltend, vorsichtig, teilweise sogar brüchig, insgesamt sehr angenehm.

Wenn nur das mit der Stimmung der Instrumente nicht wäre. Z.B. Track 14 auf der 1. CD (Solo von Zidiana) oder die 2 Violinen in Track 15 der 2. CD (Zelinda). Und im Verlauf des letzten Titels dieses Aktes und der 2. CD, in Track 25, spürt man der Solovioline regelrecht ihre Müdigkeit an.

Auf der 3. CD, im 3. Akt, Szene 4, singt der Premierminister Cino, der Alt Angelo Manzotti, eine offensichtich sehr herausfordernde Arie. Möglicherweise geht mir der Sachverstand dafür ab, aber für mich sind die Koloraturen sehr schwer erträglich. Und ich musste hin und wieder aufjaulen, weil ich den Verdacht hatte, dass Herr Manzotti den richtigen Ton (Alt!) dann doch nicht so richtig getroffen hat. Vielleicht bin ich aber auch überempfindlich. Kann ja sein.

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Alles in allem: Sorgfalt kostet Geld. An der hat man es hier an manchen Stellen mangeln lassen. Offensichtlich hat auch niemand die gröbsten Schnitzer bemerkt und eingegriffen. Man kann bei solchen Aufnahmen wohl doch nicht immer die höchste Qualität verlangen. Angesichts des Preises sowieso nicht. Das wäre ein Wunder. Zweitausendeins verlangt für die 3er CD € 5,99. Aber gegenüber anderen (Lizenz-)Veröffentlichungen von Brilliant Classics (Mahler unter Inbal mit den Frankfurtern (die großartigen Denon Aufnahmen aus den 80ern, 15 CDs, € 27,80!), Schütz, Haydn, Shostakovich, Rodrigo, Corelli, Albinoni, Telemann, usw.) fällt Il Teuzzone schon ziemich ab.

Finde ich.

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