Gehscha 1 / Ankunft
Heute ein erster Blick in die Geschichte der Undine Gehscha. (Gestern gab es ja schon die Begegnung mit Buch.)
Sie kommt aus dem Land, in dem der Bambus wächst und in dem man die traditionellen Fertigkeiten und Künste noch kennt, aus Bambus ganze Häuser und Brücken zu bauen.

Deshalb kam sie auch über das große Wasser zu uns in einem Schiff ganz aus Bambus (und Birke, ok.). Eigentlich war es auch eher ein Floß als eine Schiff:

Nachdem sie an Land gegangen war, bestieg sie den Rosentransporter, der sie schnellstmöglich bis in unsere Gegend bringen sollte. So hatte sie es mit dem Transportunternehmen bei der Buchung vereinbart. Undine hatte auch auf einer alten roten Rose bestanden. Nichts modisches wollte sie haben.

Der Rosenexpress war zwar nicht allzu bequem (man konnte darin nur stehen), aber er war gut gefedert. Vor allem liebte sie den Geruch der Sitze und der Polster.

Hier nochmal in klein zum Anklicken und Vergrößern:
Und sie liebte es, dass sie darin ein Einzelabteil haben konnte. Undine Gehscha war etwas menschenscheu und sie hasste nichts mehr als z.B. überfüllte U- und S-Bahnen wie sie bei ihr zuhause an der Tagesordnung waren. Sie brauchte Abstand zu anderen Menschen.
Es fiel ihr auch generell schwer, Menschen “an sich heranzulassen”. Das war ihr bewusst. Und irgendwie ahnte sie, dass sie da “etwas offener werden” sollte, wie ihr ihr alter Brieffreund geschrieben hatte. Der Entschluss zu dieser großen und langen Reise in ein unbekanntes Land war der erste Schritt dazu. Und ein gewaltiger obendrein. Sie war schon ein bisschen stolz auf ihren Mut und ihre Abenteuerlust.

Aber dann das: Der Rosenexpress lud sie zwar fahrplanmäßig, aber an einem völlig ungünstigen Platz ab: Neben dem Zentrum, wo der Kompass stand, direkt im Lavendelfeld.

Wie ihr Kimono wieder aussah! Sie wollte doch nicht in schmutzigen Klamotten (Kimono) den Kompass besuchen - und schon gar nicht ihrem alten Brieffreund gegenübertreten. Wer weiß, was der von ihr denken würde - er kannte sie ja gar nicht. (Sie kannte ihn ja auch nicht…!)
Es fing also schon gut an. Gleich der erste schlechte Eindruck. Wäre sie nur zuhause geblieben. Sie fühlte auch schon eine leichte Erkältung heranziehen. Sie war ja gegen Luftzug sehr empfindlich und die offen Fahrt im Rosenexpress war vielleicht etwas frisch gewesen.
Sie war gespannt, was sie hier noch erwartete. Das konnte ja nur noch besser werden.