Heinerblog

7.9.2007

Gehscha 2 / Kompass

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:58

Undine Gehscha bewunderte das alte nautische Instrument zur Bestimmung der Himmelsrichtungen.

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Wie sorgfältig war alles gearbeitet, welche alte Handwerkskunst steckte dahinter…

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Wie genau waren die Skalen angelegt, und das zu einer Zeit, als es weder Computer noch GPS gab…

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So ganz in Gedanken und Bewunderung versunken, hätte sie fast nicht gemerkt, wie sich Bruder Lully, ihr alter Brieffreund, langsam ihr näherte.

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Langsam und vorsichtig deshalb, weil es das erste Mal war, dass sie sich sahen. „Bist Du…?“ „Ja, ich bin Lully… Und Du bist Undine, Frau Gehscha…?“ „Ja. Das bin ich.“ „Dann kennen wir uns eigentlich schon sehr lange, wenn ich das richtig sehe, oder?“ „Ja, Du hast recht. Aber dass Du ein Mönch oder Pater bist (oder wie Ihr das nennt) hätte ich nicht gedacht.“

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„Ja, ich habe darüber nie geschrieben, ich weiß.“ „Aber warum…?“ „Ich dachte…“ „Was?“ „Ich dachte, Du würdest…, das würde Dich…, Du könntest womöglich…“ „Was – nicht mehr schreiben wollen?“ „Ja, und mich nicht mehr Lullyspatz nennen, und überhaupt…?!“

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“Seltam! Was ist daran so besonderes? Mönche? Gibt’s bei uns zuhause massenhaft. Warum sollte ich Dir deswegen nicht mehr schreiben wollen…?“ „Na ja, viele Menschen denken, wir wären irgendwie „anders“, weil wir bestimmte Regeln beachten und Dinge anders tun als andere.“ „Ach Blödsinn! Das mache ich ja auch. Vergiss das. Du bist genau so normal und genau so was besonderes wie ich und alle anderen. Und jetzt freue ich mich, dass ich endlich weiß wer Du bist und was du bist und wie Du überhaupt aussiehst. Und ich finde Dich übrigens ziemlich knuddelig!“

So war also das Eis gebrochen. Sie hatten von dieser Minute an ein völlig offenes und unbefangenes Verhältnis zu einander. Völlig unkompliziert und ohne Vorbehalte. Beide waren und blieben das, was sie waren, respektierten sich und freundeten sich mit jeder Minute näher an. (Oder war das schon mehr als anfreunden?) Auch in der Wertschätzung des alten Kompassbauer-Handwerks hegten sie dieselbe Bewunderung.

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Doch für dieses Mal war es Zeit für den Abschied. Beide hatten am Abend noch anderweitige Verpflichtungen. Lully musste auf die Beerdigungsfeier (Leichenschmaus) von Francesco, was ihm sehr unangenehm war. Undine musste ihre angeheiratete Familie besuchen.

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So verabschiedeten sie sich aufs erste und freuten sich auf ein baldiges Wiedersehen.

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Undine blieb in Gedanken noch eine Weile beim Kompass. Sie konnte ihr Glück noch nicht fassen. Sie musste sich schnellstmöglich ein Auto kaufen. Sie wollte mobil sein.

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Womöglich konnte Lully ihr dabei helfen. Er hatte schon so etwas erwähnt. Was von einem alten Opel Manta…

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