Augustin - Der amerikanische Traum
Das Buch müsste es immer noch für ein paar Euro antiquarisch geben. In gebundener Version von Suhrkamp: Ernst Augustin „Der amerikanische Traum“. Roman, Frankfurt (Suhrkamp) 1989, 238 Seiten. Oder demnächst beim Amann Verlag in Zürich, wo die neuesten Sachen von Augustin erscheinen („Die Schule der Nackten“ u.a.) und auch alte Sachen neu verlegt werden („Der Fall Evelyn B.“ u.a.)

Kein Wunder, dass sich der Klappentext hier so zurückhält. Man will ja nicht das wesentliche verraten. Also begnüge ich mich auch mit Andeutungen.

Es fällt auf, dass viele Formulierungen englisch gedacht, aus dem Englischen einfach übernommen oder quasi schlecht übersetzt sind: S. 45 „had had it“, S. 48 „let me see“, S. 50 „seien wir ehrlich“ (”to be honest”), S. 53 „Give and take“ („mehr oder weniger“?), S. 78 die „weiche Schulter“, S. 84 „…um seine Einkäufe zu betätigen“ statt „zu tätigen“, S. 84 „nicht so“, S. 89 „es ist alles verbrieft und versiegelt“ statt „besiegelt“, S. 93 „aber dann wiederum“ („but then again“) – solche Fehler macht Augustin nicht! – S. 105 „Lufthafenmusik“ statt „Flughafenmusik“, wenn schon, S. 118 der „schmalste Part“ statt „Teil“. Auf S. 126 wird der Bus, nachdem er von mehreren Fahrgästen voll gekotzt worden war, mit „Feuerschläuchen“ durchgespült („fire hose“?) anstatt, wie es wohl richtig gewesen wäre, mithilfe von „Feuerwehrschläuchen“. Auf S. 138 gibt es einen „Gepäckdeckel“ statt des „Gepäckraumdeckels“. Auf S. 182 wird das Wort „Kubikel“ eingeführt (cubical). Auf S. 201 „marschierte er mich flussaufwärts“: auch das ist neu: Intransitive Verben bekommen plötzlich einen Akkusativ. (Es meint: „er trieb / schleppte mich flussaufwärts“).
Und es fallen zwischendurch Sätze wie: „Smaragdfliegen habe ich mir doch bloß ausgedacht, die gibt es nicht!“ Trotz allem wird er und sein Todfeind, als sie beide fest im Sumpf in Costa Rica stecken, von Smaragdfliegen, die absolut tödlich sind, angegriffen.
Oder: „So hätte ich denn in allen Ehren in Miami einziehen können“. Hat er jetzt oder hat er nicht?

Es geht also in der Geschichte um eine Verfolgungsjagd. Soviel ist zunächst sicher. Der Junge, der am Anfang des Buches von den (3) amerikanischen Bomberpiloten angegriffen wird, trifft sie später mehr oder weniger zufällig in USA und Mittelamerika wieder. Den stärksten der Dreien macht er sich zum Feind, weil er seinen Bruder gedemütigt hat (zwischen Treppengeländer eingeklemmt), und es beginnt die ziemlich aufregende Verfolgung durch Costa Rica und den Dschungel und den Sumpf. Bis zum Happy End. Natürlich.

Und der Erzähler, der das mit englisch / deutsch nicht so richtig packt, ist wohl der Junge, der in der Sprache von Hawk Steen erzählt, dem Detektiv, der er mal werden soll, aus der unsagbaren Stadt in Nordamerika.
Das Buch ist extrem spannend. Nicht nur die Verfolgungsjagd ist witzig und hat hervorragendes Timing. Sie lässt auch genügend Punkte zum Ausruhen (in einer Liebesnacht oder an der Bushaltestelle) - sondern das Buch ist auch spannend, weil man ahnt, dass da noch eine andere Geschichte dahinter liegt. Möglicherweise. Man hat eine Ahnung.
Und das soll jetzt jede® selber herausfinden.
