Frau W. und Herr M. / 11
Herr Mindernickel und Frau Weichbrodt standen kurz davor, einen gemeinsamen Panikanfall zu erleiden. Oder gleich zu ersticken.

Nach Leibeskräften riefen sie um Hilfe, was aber niemand hörte. Bis gottseidank Bruder Lully – auf dem Weg zum Lebensmitteleinkaufen, er wollte heute süß-saures Huhn ausm Wok für sich und Gehscha kochen – die offensichtlich herrenlosen Rabattmarken von weitem sah und gleich ein tolles Handtuchschnäppchen witterte.
Er sammelte natürlich auch. Aber nur für Gehscha. “Sie mag dieses gelbe Saunatuch so,“ entschuldigte er sich, wenn man ihn darauf ansprach.

Halb entsetzt über die gefährlich klebrige Situation, in der er Herrn Mindernickel und Frau Weichbrodt fand, halb belustigt über die Schlagzeile morgen in der Zeitung „Paar von Rabattmarken erwürgt“, half er den beiden aus der Breduille.

Beim Einkleben machte er auch noch mit und nahm zwischendurch Frau Weichbrodt auf die Seite, um ihr noch einmal ins Gewissen zu reden. Sie solle doch Herrn Mindernickel mit nach Passau nehmen. Das sei sie ihrem “gemeinsamen Glück doch schuldig“, wie er sich ausdrückte.

Herr Mindernickel bekam das natürlich mit und fand es oberpeinlich. Was ging den alten Mönch denn das an. Der Fall war sowieso schon erledigt. Passau war entschieden. Die Stelle, auf die Frau Weichbrodt spekuliert hatte, war bereits vergeben. (Was Lully nicht wusste).

Also sollte (zunächst) wieder alles beim alten bleiben. Herr Mindernickel hatte zum wiederholten Male eine Krise an sich vorüberziehen sehen. Aber das würde nicht mehr lange so weitergehen. Da war er sich ziemlich sicher.

Als sie alles erfolgreich und einigermaßen unbeschadet eingeklebt hatten, beschlossen sie, als Dank für die Hilfe, Lully das gelbe Saunatuch zu schenken. Ein großes Opfer für Frau Weichbrodt. Herrn Mindernickel war es eher wurscht. Wie sie das Paket allerdings nach Hause schaffen sollten, das wussten sie noch nicht.