Heinerblog

10.10.2007

Palahniuk - Lullaby

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:51

Ich habe heruntergeratzt: Chuck Palahniuk „Lullaby“. München (Goldmann), als TB 2006, übersetzt (sehr gut mal wieder) von Werner Schmitz, 255 Seiten, € 7,95.

Palahniuk wer?

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Genau der, der die Bücher „Flug 2039“, „Der Simulant“ und natürlich „Fightclub“, das bekanntermaßen klasse verfilmt wurde, geschrieben hat. Und so wütend auf die (amerikanische) Gesellschaft wie dort schreibt er auch hier.

Ich interpretiere mal, es geht dabei um Macht und die Verhaltensweisen von Menschen die von Machtstrukturen unterdrückt werden, sich dagegen nicht wehren können, kein Gehör finden, aber dann, wenn sich die Möglichkeit bietet, die Macht, die sie plötzlich an die Hand bekommen, wie unvernünftige Kinder, unverantwortlich und über alle Maßen, einsetzen und andere terrorisieren.

Lärm im Mietshaus ist ein Beispiel von Macht, die diejenige, die den Krach verursachen, den anderen aufzwingen. Die dann darauf mit Gegenkrach antworten.

Lästige Menschen, die einen stören, potentiell problemlos und umstandslos aus der Welt schaffen zu können, kommt einem plötzlich attraktiv vor. Wie der Mann, der nachts mit seiner Knarre vom Schlafzimmerfenster aus die Leute auf der Straße erschießt, weil sie Lärm machen. Den Fall hatten wir bei uns auch schon.

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Macht üben die Personen im Roman auch auf andere Weise aus: Helen betrügt reiche Immobilienkäufer mit Häusern in denen es spukt (Blut nachts an der Wand und in der Badewanne, etc… der Poltergeist-Kram). Außerdem handelt sie mit Antiquitäten, die sie vor der Auktion gekonnt vorübergehend beschädigt, um den Preis zu drücken und sie anschließend wieder zu renovieren.

Oyster, der Geliebte ihrer kindischen Angestellten Mona, verunglimpft Unternehmen, in dem er fiktive „Schäden“ erfindet, die von ihnen ausgehen und Menschen sucht, die unter diesen Schäden leiden, um eine Sammelklage gegen das Unternehmen zu erwirken. Damit kann man in einem Land, in dem absurde hysterische Schadensersatzklagen Erfolg haben, gutes Geld verdienen. Die Unternehmen zahlen alles.

Es sucht sich so jeder seine Nische, die es ihm ermöglicht, in seinem kleinen Rahmen Macht über andere auszuüben.

Ganz besonders geht es in diesem Roadmovie um ein Kinderbuch, von dem alle in den USA erhältlichen Exemplare aufgetrieben werden müssen, weil es eine tödliche Macht verleiht.

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Ja, es ist ein zynisches Buch. Kein angenehmes, das Hoffnung macht. Es gibt viele unappetitliche Stellen in dem Buch und natürlich viele Leichen.

Die Sache mit dem Lied, das tötet, ist eine Idee, die man schon mal von Monty Python gehört haben kann: „Der tödliche Witz“. Aber hier ist es weitergedacht. Definitiv, weil ja keiner weiß wie das Lied sich anhört, könnte es überall lauern und versteckt sein. Damit (als Selbstschutz) müsste universelle Ruhe verordnet werden. Welch eine Wohltat für den Mietwohnungsbesitzer. Man weiß ja nicht einmal, wovor man sich schützen müsste. Taubheit wäre eine Überlebensstrategie.

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Man könnte austesten, wie viel von dem Lied man konsumieren darf, ohne zu sterben. Dann hätte man wieder eine Chance, sich quasi rechtzeitig die Ohren zuzuhalten.

Zwischendurch kommt aber immer wieder die Erkenntnis auf: „Je mehr Leute sterben, desto mehr bleibt alles beim alten“.

Als die kleine Familie schließlich das originale Buch finden, aus dem das Wiegenlied abgeschrieben und übersetzt wurde, kommt es zu ganz neuen Zauberaktionen, die wiederum zu diversen weiteren Eklats führen. Das Hippie-Mädchen Mona und Oyster stehen zu ihren positiven, grünen Utopien, während Carl und Helen ihnen nachjagen, um sie zu hindern, weitere Wunder zu vollbringen. Es dreht da etwas ab. Aber das ist bei anderen Palahniuk Büchern auch so.

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Ein witziges, schnelles, aggressives Buch. Kann man gut lesen und sich dabei was denken. Oder auch nicht.

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