Marquardts 2 / Bilsoms
Herr Marquardt (1) und Herr Marquardt (3) stießen beim Zugwechsel auf ein seltsam gelbes weiches rundes Ding.

Es bewegte sich leicht, es zitterte richtig, es lebte offenbar, es frohr. Aus der Bahn-Unterführung (Fußgänger-Unterfühung?, wie heißt denn das richtig?) kam ein zweites Exemplar dazu. „Sind das reguläre Fahrgäste? Was meinst du?“ fragte Herr Marquardt (1).

„Offensichtlich ja, aber mit Aufpreis, wenn ich das recht sehe.“ Sagte Herr Marquardt (3) und versuchte, den einen der beiden gelben Knöpfe darauf anzusprechen.

Da kam Herr Marquardt (4) dazu und klärte ihn auf: „Die Familie Bilsom auf dem Weg zurück nach England.“ Frau Bilsom sei hochschwanger und müsse sehr fürsorglich behandelt werden.

Ansonsten würde noch ein Unglück passieren. Was das genau sein könnte, darüber schwieg er sich aus. Tat aber so, als wüsste er Beschied.
Frau von Tümmler, die gerade fröhlich von ihrem Badeurlaub mit dem Gummibär zurück kam, war ganz begeistert von dem weichen Material, aus dem die Bilsoms gebaut waren. Sie hatte so einen „haptischen“ Tick und musste immer alles anfassen, was ihr begegnete, in alles hineingreifen und an allem herumknuddeln. Herr Marquardt (5) versuchte, Frau von Tümmler über den Zustand von Mrs. Bilsom aufzuklären, doch Frau von Tümmler hörte nicht zu.

Währenddessen versuchten Herr Marquardt (3) und (4), Herrn Bilsom begreiflich zu machen, dass er und seine Frau leider nicht den Normmaßen der Deutschen Bahn entsprachen und deshalb einen geringen Aufpreis zu zahlen hätten.

Frau von Tümmler war nicht mehr zu halten. Sie stieg auf Frau Bilsoms Kopf und benutzte ihn als Trampolin. Frau Bilsom ging dabei leicht in die Knie, hielt aber Stand, so dass Frau von Tümmler hüpfend von oben die Aussicht genießen konnte. Sogar den einfahrenden Zug konnte sie schon in der Ferne sehen.

Die Schaffner standen entgeistert da. Sie regten sich enorm auf ob der Naivität und Unbedachtheit der guten Frau. Herr Marquardt (5) verzweifelte schier und vergaß fast, das Zeichen für den einfahrenden Zug zu geben.
Herr Marquard (4) versuchte verzweifelt, Frau von Tümmler vom Risiko ihres Tuns zu überzeugen, während Herr Marquardt (3) meinte, vielleicht sollten sie das zur Entspannung einfach alle mal probieren.
Und das taten sie dann auch (sehr vorsichtig). Offensichtlich hatte weder Herr noch Frau Bilsom ja etwas dagegen. Reihum, solange der Zug noch nicht eingefahren war: Besonderns Herr Marquardt (5), der eigentlich wirklich wichtigeres zu tun gehabt hätte, wollte fast nicht mehr herunterkommen.

Weil sie so viel Spaß gehabt hatten, war auch gar keine Rede mehr vom Aufpreis auf die Tickets. Alle waren wie verändert, gut gelaunt durch die Begegnung mit der netten und weichen Familie Bilsom. Sie hatte eine so beruhigende und großzügige Ausstrahlung, ja Charisma, das noch lange in ihnen nachwirkte.

Und sie machten sich langsam auf den Weg zum Einsteigen in den Zug nach W. Und staunten darüber, was man doch als einfacher Beahnbeamter so jeden Tag an Interessantem erleben konnte.
