Heinerblog

19.10.2007

Bongartz 2 / Salami 1

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:50

Herr Professor Bongartz war nicht nur einer der charmantesten und großherzigsten amerikanischen Staatsbürger, sondern, wie gesagt, in seinem Hauptberuf anerkannter Metzger- und Fleischermeister.

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Zur diesjährigen internationalen Wurstmesse in Frankfurt (Interfleisch 2007) hatte er seine Spezialität mitgebracht: Die grobe texanische Wildschwein-Salami. Eine Kreation seines Großvaters. Mit ihr hatte seine Familie schon viele internationale Preise einheimsen können. Sie war extrem selten, weil das texanische Wildschwein so selten zu finden war. Eigentlich stand es unter Naturschutz, (Familie Bongartz züchtete sie in einem eigenen großen Revier), war aber in Fachkreisen und bei Kennern als das schlichtweg „Beste“ anerkannt.

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Undine Gehscha bemerkte das Riesenstück, das Herr Bongartz zum Trocknen (es war noch zu frisch) in der frischen Luft aufgestellt hatte und fragte interessiert, was er denn mit dem widerlich fettigen Ding vorhabe.

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Für Herrn Bongartz war das ein willkommener Anlass, über die texanische Metzgertradition und die Kultur der Fleisch- und Wurstzubereitung in seiner wundervollen Heimat zu erzählen. Nicht zuletzt die 8 Generationen von Fleischern, auf die seine Familie zurückblicken konnte, erfüllten ihn mit besonderem Stolz.

Undine, die heute nichts wichtigeres vorhatte, begann, sich tatsächlich ein wenig für dieses abseitige Thema zu interessieren.

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Letztlich kamen sie dann auch auf die ethischen Fragen rund um die Tierhaltung, Schlachtung und den Fleischgenuss im Prinzipiellen zu sprechen, aber da ließ Herr Bongartz dann erwartungsgemäß den autoritären und sturen Lümmel raushängen.

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Wer Wurst und Fleisch aus so blöden ethischen Gründen ablehne, versündige sich an der Schöpfung und der Welt! Das Wertvollste und Gesündeste stecke doch in gerade den eiweißreichen Lebensmitteln, die die kräftigen Tiere aus Gottes weiter Natur den Menschen in Form von Steaks, Bouletten, Burgern, Bratwürsten, Cordon Bleu und Wildpferdsalami zur Verfügung stellen würden. Jemand, der das ablehne, sei ein Weltverächter und Umstürzler!

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Und gesund sei es obendrein. Er selbst sei seit 10 Jahren nicht mehr beim Arzt gewesen, so gut ginge es ihm. Und das würde man ihm doch auch ansehen, oder nicht?

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Undine war im Laufe dieser Rede etwas kleiner geworden und fühlte sich heftig angegriffen und in die Ecke gedrängt. Hans, der ebenfalls von Herrn Bongartz Salami-Trocknerei angelockt worden war und die letzten lauten Worte von Herrn Bongartz gehört hatte, fragte mal nach, ob er irgendwie helfen könne bzw. ob jemand wüsste, wo man hier etwas zu essen und „ein Bier“ bekommen könnte.

Herr Bongartz versprach, für Hans ein Stück Salami und ein Bier zu besorgen. Nein, Undine wollte nichts davon haben. Sie sei nicht hungrig.

Hans fand großen Gefallen an der etwas feineren Art von Riesensalami.

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Davon demnächst mehr.

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