Heinerblog

1.11.2007

Cooper - Ansiedler

Abgelegt unter: Bücher — Heiner.Eberle @ 20:27

Ich bin jetzt echt stolz auf mich.

In einer alten Sache bin ich ein gutes Stück vorwärts gekommen.

Die Aufgabe lautete: „Lies den ganzen Cooper fertig und stell ihn dann in die 2. Reihe im Regal, damit es vorne wieder Platz für Frisches gibt.“

Vor mir lagen noch „Die Roten“ aus den „Bildern aus der amerikanischen Vergangenheit“ und Band 4 und 5 von „Der Lederstrumpf“. Geschafft habe ich jetzt daraus Band 4 „Die Ansiedler“. Mit Hängen und Würgen. Muss ich leider sagen. Aber ich bin durch. Das macht Hoffnung auf die anderen beiden Bände.

Es geht also im Zusammenhang um dieses Päckchen hier:

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James Fenimore Cooper „Der Lederstrumpf“, vollständige Ausgabe in 5 Bänden – Band 4 „Die Aussiedler“ – Übersetzung durch C. Kolb, bearbeitet von Rudolph Drescher, mit einer Nachbemerkung von Peter Härtling und allerliebsten Originalillustrationen von O. C. Darley. Frankfurt, Insel Verlag, Taschenbuch 1983, 540 Seiten. Im Paket / Schuber alle 5 Bände, 1992 erstanden für DM 64,–. (Habe gerade nachgeguckt: Der Insel Verlag hat nur noch Band 2 im Verzeichnis: „Der letzte Mohikaner“ für € 10,–. Auch noch ein Schnäppchen.)

Was eine Geschichte: Band 1 „Der Wildtöter“ von 1841, das „jüngste“ Buch, 655 Seiten, habe ich gleich 1992 gelesen. Band 2 „Der letzte Mohikaner“ von 1826, also viel früher geschrieben, 452 Seiten, 2 Monate später. Band 3 „Der Pfadfinder“ von 1840, zwischen Band 1 und 2 entstanden, 560 Seiten, habe ich erst 2005 (während einer Woche Krankheit) gelesen und jetzt, wieder 2 1/2 Jahre später Band 4 „Die Aussiedler“, geschrieben 1823, das erste Buch in dieser Reihe. Es steht noch aus Band 5 „Die Prärie“, die 1827, also kurz nach dem „Mohikaner“ erschienen ist. Auch noch einmal 510 Seiten.

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Warum war es schwer?

Es passiert darin so wenig. Es kommt nicht in die Gänge. Da wird am Anfang zwar der jugendliche Liebhaber von einer verirrten Kugel angeschossen und 2 unterschiedliche Jagdgesellschaften treffen im Schnee und Schlitten aufeinander, aber dann ist es das auch schon mal gewesen.

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Cooper hatte sich offensichtlich noch nicht warm geschrieben. Es war der erste Band der 5-teiligen Geschichte, den er in Angriff nahm, und er hatte offensichtlich noch nicht die richtige Ökonomie und den richtigen Drive gefunden. Man erkennt keinen wirklichen Spannungsbogen wie in den anderen Büchern. Man weiß nicht, wo er hin will.

Dann bahnt sich eine Liebesgeschichte an, das prickelt schon ein bisschen, aber die ersten 200 Seiten (oder noch mehr) kreisen am Vorweihnachtsabend 1793, nördlich von New York, Albany, wesentlich um die Fragen, wem das Wild gehört, das man in den Wäldern schießt und darum, ob früher alles besser war, als es noch kein Eigentum an Grund und Boden und Wild gab.

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Der fromme Christ Chingachgook verhält sich wie ein edler Wilder sich verhalten muss. Er steht edel dekorativ herum und sagt nichts (manchmal „bläht er die Nasenflügel“). Die fehlgeleitete Kugel wird aus der Schulter des jugendlichen Helden unspektakulär und ohne Beißholz herausoperiert, die Gesellschaft ist sehr fein und hat auch einige Sklaven.

Im Kapitel 22 (S. 270 f) gehen sie Tauben jagen. Im Kapitel 23 gehen sie fischen. Im Kapitel 27 jagen sie wieder: einen Hirschbock.

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Besonders nerven die Intro-Texte über den einzelnen Kapiteln, und die Frage stellt sich, was die denn eigentlich mit den Kapiteln selbst zu tun haben. Es erschließt sich meist nicht. Aber ein Intro muss immer da sein. Vor Kapitel 28, in dem ein Hund und ein Pantherweibchen (das seine Jungen bedroht sieht) miteinander kämpfen, lautet der Intro-Text: „Wer weiß es, was die Jungfrau fühlt, / Allein im Augenblick der Schrecken - / Ob Irrsinn ihr Gehirn durchwühlt, / Ob Himmelsmächte Kräfte wecken, / wo eigne nimmermehr erklecken. (Scott)“ . Ok, da war eine Frau, die den Kampf Hund – Panther beobachtet hat. Auf sie könnte das passen, aber es ist doch schon etwas seltsam. Oder? (Der Panther gewinnt übrigens.)

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Man lernt etwas über den Konflikt der „Siedler-Gesetze“ gegen die Gewohnheitsrechte der „Eingeborenen“ und derer, die halt schon früher da waren. Und in Kapitel 30 wird Lederstrumpf (mit „richtigem“ Namen Natty Bumppo) fast verhaftet wegen des Hirschbocks, den er in Kap. 27 erlegt hat.

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In Kapitel 32 stellt er sich selber. In Kapitel 33 gibt es eine Gerichtsverhandlung, wie gewohnt mit zynisch diffamierenden Anklagereden der bösen „Bürgerlichen“, danach Stockschläge und Aufruhr der Ansiedler. Dann wird ihm in Kapitel 35 aus dem Gefängnis zur Flucht verholfen.

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Durch einen Waldbrand – und Cooper ist natürlich einmalig darin, so etwas zu beschreiben – wird der Held quasi gerettet. Chingachgook stirbt an seinen Verbrennungen einen tapferen Indianertod und in Kapitel 40 taucht ein unerwarteter, edler Großvater des jugendlichen Helden auf. Damit ist das Happy End vorprogrammiert und wir können uns ruhigen Gewissens anderem zuwenden.

Die stärksten Kapitel sind wie gesagt die Waldbrandsachen. Vieles von den anderen Kapiteln hat nur rudimentäre Relevanz und ist nur für eingefleischte Fans wirklich spannend. Trust me. Oder man verliebt sich in die ausufernde, schwelgerische Sprache. Kann ja sein. Ich hoffe, der letzte Band wird spannender. Da hatte er ja schon Übung.

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