Cooper - Die Prärie
Ich habe es geschafft. Auch den 5. Band der Lederstrumpf Saga habe ich erledigt. Hier ist er:
James Fenimore Cooper „Der Lederstrumpf“, vollständige Ausgabe in 5 Bänden – Band 5 „Die Prärie“ – Übersetzung durch C. Kolb, bearbeitet von Rudolph Drescher, mit einer Nachbemerkung von Peter Härtling und allerliebsten Originalillustrationen von O. C. Darley. Frankfurt, Insel Verlag, Taschenbuch 1983, 510 Seiten.

Die ganze Geschichte über das 5-bändige Teil findet Ihr im Beitrag vom 1. November 2007.
Und wie gehofft und vermutet: Dieser Band ist um einiges besser gestrickt und komponiert als Band 4.
Es geht um Aussiedler, die in den Mittleren Westen der USA vordringen, in die Prärie, einen noch gesetzlosen Raum, der von unterschiedlichen Indianerstämmen bewohnt ist. Es gibt mindestens Dakotas, Pawnees (halbgut), Sioux (böse).

Hawk-Eye, der hier den über 80-jährigen „Lederstrumpf“ oder Natty Bumppo gibt, stellt sich einmal zum Schutz seiner Mitfliehenden einer heranrauschenden Büffelherde entgegen (kennt man als „stampede“). Mit ausgebreiteten Armen teilt er die Büffel-Massen wie Moses das Meer und leitet sie außen um die Menschengruppe herum. Was ein Held. Spitze. Hätte ich genau so gemacht.
Es gibt jede Menge philosophischer, religiöser und „naturbetrachtender“ Gespräche in diesem Buch, die man auch überlesen kann. Z.B. wenn der „Naturforscher“ den „edlen Wilden“ gegenüber als lächerliche Figur dargestellt wird (S. 308 ff). So etwas ist einfach veraltet. Muss man nicht machen.
Im 23. Kapitel gibt es wieder einen Brand wie im 4. Band vom „Lederstrumpf“, diesmal brennt aber das Gras. Und der Held (Bumppo) weiß, wie man mit Feuer einen Fluchtweg legen kann, auf dem man dem Flächenbrand entkommt. Ein respektabler Vorläufer von Indiana Jones und McGyver.
Es ist alles drin in diesem Buch: Entführte Jungfrauen, Glaubenskriege, Gesetzlose Ungetüme, Befreiung von Jungfrauen, Indianerüberfälle, Indianerstämme, die mal freundlich, mal feindlich sind (das aber immer von Grund auf), Flussüberquerungen im Bisonfell, Steppenbrände und wie erwähnt Bisonstampeden, die sie aber letztlich alle überleben.

Da vergisst man zuweilen doch, wo sie eigentlich hin wollen, denn einen Fluchtpunkt, einen Rückzugspunkt, ein Ziel gibt es nicht. Es ist irgendwie immer nur ein „weg von“ etwas. Nie sprechen sie von einem „hin zu“. Oder ich habe was überlesen.
Dann werden sie durch die Dakotas doch noch gefangen genommen und es kommt zu endlos lang gezogenen Verhandlungen und Überlegungen und Gesprächen, bis ein Weiser Indianer auftaucht, der gar keiner ist, sondern ein Weißer, und der alles durcheinander bringt.

Die „edle“ und „blumenreiche“ Sprache der Indianer in Bildern und Analogien und stilisierten Gleichnissen nervt an diesen Stellen zusehends. Sie kommen einfach vor lauter Reden nicht zur Sache.
Am Ende ist Hawk-Eye dann doch tot. Kurz vorher stirbt sein Hund (gottseidank nicht umgekehrt).

Wie gesagt: Spannender, dramatischer und überzeugender als Band 4 auf jeden Fall. Aber kein Must. Nicht unbedingt. Man kann auch ohne.
