Cooper - Die Roten
Jetzt habe ich das also auch hinter mir:
James Fenimore Cooper „Die Roten – Bilder aus der amerikanischen Vergangenheit Teil 3“, Roman, Deutsch von Arno Schmidt, Frankfurt (Fischer) 1978, als Taschenbuch noch erhältlich, 631 Seiten.
Die beiden ersten Bände der „Bilder“ – „Tausendmorgen“ und „Satanstoe“ – habe ich vor ca. 10 Jahren gelesen. Entsprechend schwer fiel mir das Hineinfinden in den dritten Teil.

Die Urenkel der ersten Siedler der Familie Littlepage haben hier zu kämpfen gegen die Pächter ihrer Ländereien, des Anwesens „Ravensnest“ und der benachbarten Gebiete.
Die Pächter wüten wegen sinkender Erträge der Länder gegen die „ewigen Pachtverträge“ und damit gegen die Großgrundbesitzer und wollen das Land als ihr Eigentum haben. Sie organisieren sich, streiken, verweigern die Zahlungen, werden aggressiv und terrorisieren als „Vermummte und Bewaffnete“ die Pachteintreiber und die Grundbesitzer.
Die Eigentümer von Littlepage, unterwegs in Europa, besprechen das Problem, über das sie aus Zeitungen und aus der Post von zuhause erfahren haben, auf den ersten 80 Seiten, während ihres Frühstücks in einem Pariser Hotel. Ja damals ließ man sich noch Zeit.

Incognito – sie geben sich als „Teutsche“ aus – versuchen sie, von New York aus unbemerkt auf ihre Ländereien zu kommen.
Auf S. 300 ungefähr eröffnet der junge Littlepage Miss Warren, seiner angehimmelten Pastorentochter, seine wahre Identität. Aber der Liebesgeschichte sind noch viele Steine in den Weg gelegt.
Die Familie Littlepage wird Zeuge von „Brandreden“ und „Gerichtsverfahren“ der „Injins“, der kämpfenden Abteilung der „Antirenter“, also der Pachtzahlungsverweigerer, die endlich die Enteignung der Grundbesitzer durchsetzen wollen. Die Spannung steigt, die Bedrohung wird immer greifbarer.

Noch was zur Übersetzung: Arno Schmidt halt. Ganz großartig. Bis auf ein paar störende grundsätzliche Sachen: die “Binnenmajuskeln” zum Beispiel. Die waren 1978 revolutionär. Heute nicht mehr. Aber auch wenn Arno Schmidt sie womöglich als orthographisches Hilfsmittel “erfunden” hat, sind sie doch hier zu aufdringlich konsequent eingesetzt. „FortschrittsPartei“ muss nicht sein. „RotHäute“ und „PrärieFeuer“ auch nicht.
Dialekt schreiben ist auf Dauer auch nicht einfach. Und lesen erst recht nicht. Vor allem dann, wenn Amerikaner einen deutschen Akzent nachahmen wollen. Das geht gar nicht.
Und die Indianerberatschlagungen der Onondango mit Susquesus, dem alten weisen Häuptling auf dem „Ravensnest“ Anwesen ist dann wieder Cooper-tyisch sehr pathetisch bilderreich langatmig. Das muss man ertragen. Oder darüberhinweglesen.

Es kommt dann, wie es kommen muss, letztlich zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung und zu richtigen Übergriffen auf die Grundbesitzer. Indianer stehen auf ihrer Seite und viel Diplomatie ist gefordert. Den Ursprung dieses Vorfalles hat Cooper in einer tatsächlichen Begebenheit gefunden, die hinten im Buch auch dokumentiert ist.
So ist das also: Das Buch hat großen historischen Wert. Erzählte Geschichte. Zum kurzweiligen Zeitvertreib taugt es nicht. Ein gutes und wichtiges Buch ist es, verfasst in der guten alten ausschweifenden Art des 19. Jahrhunderts. Man braucht Zeit dazu. Oder wirkliches Interesse an dem Thema. Dann ist es toll.