Marquardts 6 / Seagull 1
Die Marquardts hatten sich schon lange einmal vorgenommen, die Seagull zu besteigen. Zudem war jetzt auch der Auftrag an sie herangetragen worden, die Seagull auf Herz und Nieren zu prüfen, weil es hieß, sie würde nicht mehr richtig funktionieren.

Die Seagull war ein antiker Fotoapparat, Spiegelreflex, Mittelformat, wahrscheinlich noch reparabel, aber niemand hatte sich in den letzten Jahren um sie gekümmert.

Herr Marquardt (1) wählte den Aufstieg über den linken Druckknopf. Das fette dicke Leder war mit Druckknöpfen zusammengehalten an die Kamera drangeflanscht.

Auf diesem Weg sollte er am schnellsten zu den empfindlichen Stellen der Feinmechanik vordringen können. In der Gegend der unteren Linse wollten sie sich dann am Ende wieder treffen, um ihre Ergebnisse zusammen zu tragen und einen Bericht zu verfassen.

Herr Marquardt (3) hatte sich bereits nach wenigen Metern den Fuß eingeklemmt, genau an der Stelle, wo man die Blende einstellen konnte. Das Rädchen ging verdammt schwer. Er vermutete, dass dahinter die Mechanik auch schwer in Mitleidenschaft gezogen war. Er erkannte auch, dass es sehr gefährlich war, sich mit solchen technischen Geräten ohne Vorkenntnis einzulassen. Sein Knöchel tat enorm weh. Wer war eigentlich auf diese dumme Idee gekommen?

Dagegen war Herr Marquardt (4) derjenige, der als erster einen gravierenden Defekt entdeckt hatte. An einer Stelle war das Gehäuse etwas verzogen und es drang Licht nach innen, wo eigentlich kein Licht eindringen sollte. Das musste er sofort melden. Denn das war bei einer Kamera ein böser Fehler.

Herr Marquardt (3) war inzwischen von dem festgebackenen Blendeneinstellrädchen losgekommen und stolperte Richtung Drahtauslöser-Einschraubloch. Er wollte schnellstmöglich wieder festen Boden unter die Füße bekommen. Ihm war dieser Ausflug etwas zu gewagt und zu gefährlich. Vor diesen chinesischen Produkten hatte er sowieso einen ziemlichen Respekt. Das war ja alles wahrscheinlich krebserregend, oder?

Die Fortsetzung kommt in 2 Tagen. Etwa.