Heinerblog

2.12.2007

Frau W. und Herr B. / Orakel 1

Abgelegt unter: Das Orakel, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:23

Das zweite Türchen:

Draußen vor der Stadt, an einem stillen Örtchen in einem kleinen Wäldchen hauste das „Orakel”. Viele aus dem Bekanntenkreis von Frau Weichbrodt wussten davon, niemand kannte jedoch das tatsächliche Alter des Orakels und nur selten wurde es noch von den Bürgern befragt.

l1030939-orakel-1-15.jpg

Frau Weichbrodt hatte sich hier mit zwei alten Freunden als Beistand verabredet, um sich Klarheit über ihre und Herrn Bongartz’ Zukunft zu verschaffen. Das Orakel funktionierte so, dass man seine Frage auf einem Stück Papier durch das Guckloch des Orakel-Häuschens warf, um danach „erhört zu werden und die Prophezeiung und allmächtige Segnung zu höheren Weihen zu erfahren,“ wie es umständlich in den alten Schriften hieß.

l1030940-orakel-2-15.jpg

Manfred war als erster angekommen, auch er ein überzeugter Anhänger und Gläubiger des Orakels. Er wusste von früher, dass das heute ein ganz besonderer Moment werden würde. Er hatte schon einigen Befragungen beigewohnt.

Edith Hübsch kam als nächste. Sie war eine entfernte Bekannte von Manfred, ehemalige Kollegin und vertraute Kaffeeklatschtante von Frau Weichbrodt.

l1030941-orakel-3-15.jpg

„Haben Sie so was schon mal mitgemacht?“ fragte sie Manfred. „Ja, ein paar Mal schon,“ sagte er. „Es ist manchmal richtig unheimlich. Manchmal wartet man lange. Meist passiert nicht viel… Manchmal rumpelt es, manchmal raschelt es… ab und zu schnarcht es… allen stockt dann der Atem, vor allem wenn’s mal lauter rumpelt. Durch das Herzchen sieht es dunkel aus, aber trotzdem regt sich immer wieder was, bzw. schillert immer wieder etwas durch.“

„Ach, hören Sie auf, das glaub’ ich nicht!“ lachte Frau Hübsch nervös. Aber da kamen auch schon der Professor und ihre alte Freundin.

l1030942-orakel-4-15.jpg

Beide wollten die Orakelbefragung schnell hinter sich bringen. Frau Weichbrodt hatte zuhause noch alle Hände voll zu tun, Herr Bongartz fand die Befragung eigentlich – und das hatte er auch ausdrücklich betont – „so unnötig wie einen Zweitkropf.“ Aber Sesimi wollte sich einfach sicher fühlen.

Sie hatten sich gemeinsam eine Frage überlegt, die für ihre gemeinsame Zukunft ausschlaggebend sein sollte. Sie lautete: „Kann man aus Erdbeeren Wurst machen und wenn ja, wie?“

l1030943-orakel-5-50.jpg

Mit dieser Frage, die natürlich auch auf das Ende von Herrn Mindernickel anspielte, sollte entschieden werden, ob sie zusammen eine lange und gemeinsame Zukunft haben und ob sie miteinander glücklich werden würden oder nicht.

Auf ein Blatt Papier, das entsprechend den altertümlichen Vorgaben aus dem großen Buch „Origami“ des Orakels gefaltet war, hatten sie die Frage in deutlicher Handschrift gemalt. Das würden sie jetzt dem Orakel unterbreiten.

(Fortsetzung folgt in ca. 2 Tagen.)

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )