Verhaelen - Zumutung
Das siebte Türchen.
So, und das hier muss man gar nicht lesen:
Linda Verhaelen „Das Leben als Zumutung“, Roman, Haffmans bei Zweitausendeins, 2004, 574 Seiten.
Es sind Tratsch- und Bürogeschichten. Schnell, aggressiv und rücksichtslos erzählt. Unappetitliches und „Witziges“ aus einem „Schlampenleben“.

Es ist voll von schweren unzulässigen Klischees (S. 53 der Latzhosenträger mit Gesundheitsschuhen), und unmotivierter Verwendung von Fäkalsprache (über ihren Schwiegervater, S. 57). Natürlich gibt es im vietnamesischen Restaurant „Reis mit Hundegeschnetzeltem und pürierten Babyratten“, was denn sonst?
Der „Roman“ spielt zur Zeit, als Helmut Kohl zum ersten mal Bundeskanzler war, ich glaube mich zu erinnern, dass diese Art von Texten damals neu und ungewohnt war. Vielleicht hätte ich das damals auch interessant und lustig gefunden. Vielleicht finden das junge Leute auch heute noch lustig, wer weiß? Für mich war die Leserei jetzt zunehmend lästig und dann auch langweilig.

Verhaelen suhlt sich in Beschreibungen von Intrigen, Nachstellungen, Verleumdungen und Mobbing im Büro, mischt aber immer auch selber kräftig mit. Man möchte das so genau gar nicht wissen. Die ganze Niedertracht, die gegenseitigen Verdächtigungen und Beschimpfungen (S. 144 , e.a.)…. spätestens ab Seite 199 wollte ich mit der Erzählerin und ihren Geschichten nichts mehr zu tun haben. Sie ödete mich an.
Man kennt das, wenn einen ein/e Bekannte/r im Cafe oder in der Bar stundenlang mit seinen „Problemen“ belabert, bei denen man sich ständig fragt, wie die Leute das aushalten, ohne was daran zu ändern… Man kann da nur die Flucht ergreifen. An einer Lösung sind diese Menschen ja oftmals nicht interessiert.
Aber weiter im Text: Sich gegenseitig „anzukeifen“, interpretiert Frau Verhaelen als „Sie sind halt einfach ehrlich zueinander“. Also danke.

Ein Zitat über die neue Vorgesetzte in der Abteilung: „Boah ey, was war das denn für ‚ne geschwollene Tonlage. Ihr Gelabere ging mir schon jetzt auf die Eierstöcke“. Will man sowas lesen? Ja wirklich?
Die Frauen im Büro kämpfen von morgens bis abends gegeneinander um ihre Posten und Positionen, machen sich gegenseitig platt. Das Gekeife und Gezänke ist nicht erträglich. Letztlich werden die Frauen natürlich krank, erleiden Bandscheibenvorfälle und ähliches.
Am Ende, als alle ihre privaten „Beziehungen“ auch gescheitert sind, dämmert es der Erzählerin, dass sie nicht die Menschen als Fußabtreter behandeln kann. Das ist doch mal eine Erkenntnis!

Das letzte Drittel des Buches habe ich nur quergelesen (574 Seiten, gestehe ich, habe ich nicht durchgehalten). Wer Bürointrigen liebt, dem wird das Buch gefallen. Alle anderen: Hände weg. Geld sparen.