Manfred 1 / Der Traum
Das achte Türchen.
Manchmal hatte Manfred einen Traum, der in unregelmäßigen Abständen in ähnlich Form wiederkehrte. Er träumte von einer trocken-kalten, glänzend-glatten Landschaft, durch die ein stetiger eisiger Wind wehte.

Kahle Ebenen, hohe Berge, menschenleere Weiten, ohne ein Anzeichen von Leben. Und er hatte die „Aufgabe“, in diesen verwunschenen und feindseligen Gebieten nach einem kleinen gelben Blümchen zu suchen, was für sein Verständnis in diesen Gegenden völlig aussichtslos war.

Aber das waren sein Ziel und seine Aufgabe. Die hatte ihm irgend jemand gestellt. Wer? Das wusste er auch nicht. Das gelbe Blümchen, soviel war ihm klar, sollte so etwas wie der Schlüssel sein, mit dem er dem eisigen Gefängnis entkommen konnte.

Manfreds Traum war bedrückend. Er hatte auf seiner Wanderung und Suche permanent ein Gefühl von Sinnlosigkeit und es plagte ihn ein seltsam schlechtes Gewissen, das ihm sagte, er selbst habe doch das gelbe Blümchen vor langer Zeit schon abgerissen und mitgenommen und es dann achtlos irgendwo weggeworfen.

Also war es für ihn eigentlich aussichtslos, danach zu suchen. Aber im Traum konnte man sich ja nicht vernünftig verhalten, sonst hätte er sich gegen diesen Blödsinn gewehrt. Das also ahnte Manfred: Es würde kein schnelles Entkommen für ihn geben. Zumindest nicht auf diese Art. Vielleicht fand er ja jemanden in dieser feindseligen Welt, der/die ihm helfen konnte…

Aber auch von ganz oben herab, von wo aus er einen fürchterlichen und großartigen Blick auf die verlassenen und erhabenen Weiten hatte, war keine Menschenseele zu entdecken.

Nur Fatamorganen und Spiegelungen von Häusern, die er irgendwo her kannte.

Und immer an dieser Stelle wachte Manfred auf. Mit Schuldgefühlen. Und richtig elend war ihm dann zumute.