Heinerblog

11.12.2007

Shaw - Helden

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

Das elfte Türchen.

Ein kleines schmales Bändchen aus der Shaw-Sammlung:

Bernhard Shaw „Helden“ Frankfurt (Suhrkamp) 1969, in der Suhrkamp Bibliothek oder jetzt als Taschenbuch, sicherlich unter € 10,–, wenn es nicht vergriffen ist.

Klappentext: „Meine Art des Witzes ist es, einfach die Wahrheit zu sagen. Dies ist der sonderbarste Witz der Welt“. Dieses Wort gilt auch für „Helden“, ein Stück, das – 1892 geschrieben und 1969 neu von Wolfgang Hildesheimer ins Deutsche übertragen – auch heute noch als Komödie sehr lesbar ist. Heldentum wird ironisiert vom Sockel gehoben und der Alltag ebenso unernst hinauf gehoben. Ein sehr menschliches Thema.

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Es ist immer entzückend zu sehen, wie Idole vom Podest gestoßen werden, wenn aufgedeckt wird, dass der schöne Schein trügt, wenn Vorbilder als korrupte und ungezogene Nichtsnutze demaskiert werden. Vielleicht hängt man deshalb zuweilen den strahlenden Vorbildern nach, weil man auf den Spaß der schäbigen Entdeckung gespannt ist und sie immer schon erwartet?

In diesem Stück geht Shaw offen damit um. Der echte Held zieht Schokolade der Munition vor. Der echte Held ist ein Irrer, der in einer absurden Kriegssituation einem verteidigungsunfähigen Heer gegenübersteht.

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Der soldatische Ehrbegriff wird (S. 44) ebenso ins rechte Licht gerückt (= lächerlich gemacht), wie die Verhältnisse der „besseren Gesellschaft“. Die „Bürgerlichen“ sind dann letztlich auch froh darum, dass ihnen die Maske vom Gesicht genommen wird, die heroische Lügerei und die Mystifizierungen endlich aufhören können. Auch Raina z.B. ist glücklich, als sie als Lügnerin ertappt und endlich ernst genommen wird (S. 74). Das macht Hoffnung.

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Ein immer noch erhellender Text in geschliffener Sprache (Ich lobe natürlich Wolfgang Hildesheimer, den Übersetzer). Nicht neu was die Botschaft angeht, das sind keine revolutionären Erkenntnisse (oder doch wieder?), aber wenn man sie locker in Verbindung bringt mit Nachrichten und Informationen aus Krisen- oder Kriegsgebieten, dann bringt einen das schon dazu, nichts mehr ungeprüft und unhinterfragt einfach so zu glauben. Es gibt meist immer noch eine andere Wahrheit neben der offiziellen. Mindestens eine.

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