Gehscha 15 / Spannungen
Das vierzehnte Tor.
„Meine Nachbarin ist eine ganz ekelhafte Tussi“, beklagte sich Gehscha bei Lully.

Penetrant, großspurig rücksichtslos, unverschämt,…“ „Na na, jetzt hör doch mal auf, das kann doch gar nicht so schlimm sein“, beschwichtigte Lully.
„Doch! Wenn ich es Dir sage! Sie macht alles kaputt und mischt sich überall ein. Sie tratscht in der ganzen Nachbarschaft und erzählt Sachen, die einfach bloß gelogen sind. Was habe ich ihr denn getan? Der guten Frau Schabulsky oder wie sie heißt?“

Lully war bei den letzten Worten innerlich zusammengezuckt. „Was war das für ein Name? Wie heißt Deine Nachbarin?“ „Schabulsky, Sabine. Alle nennen sie nur „die Sabse“. Widerlich.“
Und als hätte sie es gehört, tauchte die Sabse plötzlich auf. Wie aus dem Nichts. „Lully, mein alter Hausmann, mein Priesterchen. Du hier? Hast wohl wieder nichts zu tun und kein Zuhause, was?“

„Und schau da hin, die Frau Gehscha ist auch da. Haben Sie ihre Schrauben inzwischen beseitigt? Ja?“
Gehscha war außer sich und holte Luft, um Frau Schabulsky jetzt mal gehörig ihre Meinung zu sagen. „Also liebe Frau Schabulsky, wenn Sie…“ weiter kam sie leider nicht, denn Sabine bügelte sie einfach lautstark nieder.

“Wissen Sie was, Frau Gehscha, stören sie einfach mit Ihren seltsamen Bräuchen unsere harmonische Nachbarschaft nicht weiter. Lassen sie uns in Frieden leben und vor allem: Lassen Sie meinen alten Hausmann Lully in Ruhe, der hat schon genug Probleme mit sich selbst. Auf Wiedersehen. Ich hoffe, ich habe mich diesmal klar ausgedrückt!“ Sprach’s, drehte sich um und zog davon.
„Lully!“ Gehscha war fassungslos. „Was hast Du mit dieser Person zu schaffen?“ Lully hatte ein leichtes Zittern in der Stimme: „Nichts. Ehrlich. Sie… sie war mal meine Haushälterin. Vor vielen Jahren. Sonst nichts“. „Sonst nichts?“ Gehscha wollte rot anlaufen vor Wut, das ging aber nicht.

„Was eine Haushälterin bei katholischen Priestern zu tun hat, das hat sich doch mittlerweile herumgesprochen, denke ich. Das ist ja kein Geheimnis.“
„Es war nicht so, wie Du denkst. Ich habe sie doch nehmen müssen Ich habe sie mir nicht ausgesucht. Sie gehörte quasi zur Stelle dazu. Und sie wurde auch bezahlt…“

„Bezahlt? Das wird ja immer schöner! Sie hat sich für ihre „Dienste“ also bezahlen lassen!“
„Nicht, wie Du denkst, Gehscha. Herrgott, bitte hör mir zu. Sei vernünftig, ich bitte Dich. Lass uns in Ruhe darüber reden!“
„Vernünftig? Ich? Bin ich etwa unvernünftig? Wer fängt denn hier das Fluchen an? Ich? Tue ich etwas Falsches? Das denke ich nicht! Ich denke eher, ich sollte mal richtig ausrasten. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Ich war immer zu vorsichtig und zu leichtgläubig, das wird es gewesen sein! Ich halte das jetzt hier nicht mehr aus. Ich muss jetzt gehen. Lass mich. Ich möchte alleine sein und nachdenken.“

Lully war fertig mit den Nerven. Das brauchte er gerade noch. Die Sabse! Er hätte schwören können, dass sie damals für immer das Weite gesucht hatte. Aber dass sie hier noch einmal auftauchen würde, das hätte er nicht für möglich gehalten. Hoffentlich würde er Gehscha wieder zur Vernunft bringen können. Und die alten Geschichten? Würden die jetzt alle wieder aufgetaut werden? Er hatte so gehofft, dass das alles vorbei wäre…