Lully hat Ärger
Das sechzehnte Türchen.
Sabse fühlte sich total im Recht. Es war völlig richtig gewesen, dass sie nach so langer Zeit wieder zurückgekommen war. “Man musste sich einfach immer um die Leute kümmern”, dachte sie. “Sonst verlottert alles.”

Aber dass sich Lully die kleine Japanerin aus dem Nachbarhaus angelacht hatte, das war ja schon ein starkes Stück. Was hatte die denn bloß? Nach allem, was Lully hinter sich hatte, war das ja ein ziemlicher Schritt zurück, dachte sie.
„Sag mal, mein Pope“, stichelte sie von der Seite. „Seit wann geht das denn so mit der? Wie ist sie denn so? Hmmm? Macht sie alles richtig im Haushalt und sonst so?“

Lully hätte sich jetzt wehren sollen, das wusste er. Stattdessen wäre er aber noch lieber im Erdboden versunken. Beides konnte er nicht richtig gut. „Hör mal, Sabse. Das von damals, das tut mir leid. Das weißt du. Dafür habe ich auch schon genug gebüßt. Aber Undine…“ „Wer?“

„Frau Gehscha!“ „Ach so!“ kreischte Sabse etwas zu laut. „Undine! Das ist ja neckisch!“ „Ja. Also Undine hat damit nichts zu tun, hörst Du? Gar nichts. Sie weiß auch von nichts. Von Dir nicht, von Edith nicht, von den andern auch nicht. Und ich will, dass das so bleibt.“
Sabse tat entrüstet:„Na das ist mir ja mal eine prima Geschichte. Der Herr Pastor führt das tollste Leben, bandelt mit einer Frau nach der anderen an und denkt, das merkt ja keiner, das geht immer so weiter. Was? Wieviele Mahnschreiben von Deinem Bischoff hast Du denn schon bekommen?“
“Keines. Nein. Natürlich geht das nicht so weiter,“ ergab sich Lully Sabines Vorwürfen. „Nicht? Na das ist ja genau was ich meine. Das muss doch mal an die Öffentlichkeit!“ Sabse drehte die Schraube etwas enger.

„Nein, bitte nicht!“ flehte Lully: „Ich will ja nur, dass Du mich das machen lässt. Undine soll es von mir erfahren. Nicht von einem oder einer Dritten. Verstehst Du das?“
„Naja, ich bin ja nicht doof! Aber die Frage stellt sich schon: Was habe denn ich davon, wenn ich den Mund halte?“

Lully zuckte zusammen. In genau diese Situation wollte er nie kommen. Jetzt saß er in der Tinte. Ganz tief. Er war erpressbar. Sein Leben war endgültig ein Chaos.