Heinerblog

19.12.2007

Zafon - Schatten des Windes

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:28

Das neunzehnte Türchen.

Was ein Schmöker: Carlos Ruiz Zafon „Der Schatten des Windes“, Roman. Frankfurt (Suhrkamp) 2003, als Suhrkamp Taschenbuch 564 Seiten, € 9,90.

l1030721-zafon-1-20.jpg

In dem Buch geht es um ein Buch, dessen Autor verschwunden ist, um die spanische Geheimpolizei, die ebenfalls den Autor sucht – Fumero, das brutale Schwein von der spanischen Polizei, lässt mit Lötkolben foltern –  um Frauen, die aus Liebe unglücklich und verbittert sind, um wahre Leidenschaft, enttäuschte Liebe, heillose Verwirrungen und Verstrickungen, Folter und dunkle Verliese, verlassene Villen und einiges Mehr: Um tragischste, tiefste Verzweiflung, verstoßene Kinder und Frauen, familiäre Demütigungen und politischen Terror.

Dass eine Bibliothek ein Labyrinth ist – damit fängt das Buch nämlich an – ist geschenkt seit Borges und Eco. Das Bild muss man nicht noch einmal bemühen.

l1030720-zafon-2-15.jpg

Aber wovon handelt denn die Geschichte: Der Sohn des Buchhändlers will dem Leben des Autors des Buches auf die Spur kommen, das er in dem Bücher-Labyrinth entdeckt hat. Zunächst vergeblich, bemerkt er nach und nach, je älter er wird, dass das Leben des Autors viel Ähnlichkeit mit seinem eigenen hat. Und das macht ihn stutzig.

Es zeigen sich verblüffende Parallelen. Die Vergangenheit von Julian wird langsam freigelegt. Manche Situationen und Bilder kommen darin als Doppelung der Gegenwart vor: Eine „entdeckte“ Liebesszene, ein grausamer Bruder der Geliebten, der wütende Vater der Geliebten, ein Füllfederhalter, die Einberufung zur Armee, die Entdeckung einer Gruft im Keller der Geistervilla, etc.

l1030722-zafon-3-15.jpg

Nett nebenbei: Lutschbonbons dienen als Sedativum, als „Bestecherli“ in allen Lebenslagen.

Es kommt ein großartiges Pflegeheim (S. 290 ff.) mit gierigen Insassen vor, das wie im Film ziemlich „spooky“ beschrieben ist, aber das kann in Barcelona (oder bei uns) ja alles tatsächlich so sein, wer weiß…?

Das Buch ist eine große, gedrängte Geschichte, voll gestopft mit Details und Ereignissen. Es lässt einem keine Zeit zum Nachdenken. Es denkt auch selber nicht weiter nach. Ständig passiert eine andere, neue Ungeheuerlichkeit und muss erzählt werden.

l1030723-zafon-4-15.jpg

Die Geschichte hat allerdings ein sehr gutes Timing, das muss man ihr lassen. Kein Wunder: Der Autor ist Drehbuchschreiber. Er kann Wirkungen einschätzen und weiß, die Aufmerksamkeit der Zuschauer wachzuhalten.

Die ermordete Geliebte des Autors hat gottseidank eine Niederschrift der ganzen und wahren Geschichte hinterlassen. Die bekommt der Buchhändlersohn auf Seite 419 in die Hände und dann wird alles erklärt.

Ist das Kitsch? Naja, zuweilen trieft es schon etwas. Es wird auch viel geweint. Aber vielleicht ist das einfach die spanisch romantische Seele, die hier zuschlägt…?

l1030724-zafon-5-15.jpg

Wer also Lust hat auf viel Gefühl und „action, baby“: Hier ist was zum Reinlegen.

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )