Heinerblog

3.1.2008

Edith / Feuer und Rauch

Abgelegt unter: Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:55

„Die Frau Schabulsky ist ja schon eine sehr schroffe Person“, meinte Edith, als sie Adelheit Tybbke kürzlich auf dem Heimweg traf. Adelheit kam gerade vom Einkaufen, ihr tat wie meist in letzter Zeit der Rücken weh und sie hatte nichts gegen eine Pause und ein Schwätzchen einzuwenden.

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„Und wissen sie was?“ ereiferte Edith sich weiter: „Ich habe gehört, sie sei früher die Haushälterin von unserem Pfarrer Lully gewesen. Ich meine: Haushälterin!? Hallo…?“ „Ist das denn wahr?“ Adelheit wollte es nicht glauben.

Edith verfiel ein einen Flüsterton: „Das darf man ja gar nicht laut sagen: Sie und ihr Mann (der jetzt nach Kanada ausgewandert sein soll, habe ich gehört) haben ja im selben Haus gewohnt. Und Pater Lully hat jetzt Frau Gehscha bei sich, die Nachbarin von Sabine Schabulsky. Kein Wunder, dass das zum Krach führt. Zwischen Sabse und Undine auf jeden Fall.“

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„Ja das ist schon eine ganz brenzlige Sache“, spekulierte Adelheit. „Und da steckt ja wahrscheinlich noch viel mehr dahinter, wie man hört.“ „Echt? Was wissen denn Sie noch? Haben Sie auch Geschichten gehört von den dreien?“

„Naja“, versuchte sie zu erklären, „mein Hans ist doch im Gesangverein unserer katholischen Gemeinde, nicht?“

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„Was ist denn das für ein Tatütata, wo brennt es denn? Das muss igendwo ganz in der Nähe sein!“ Langsam aber stetig hatte sich ein Feuerwehrauto genähert.

„Also der Bruder Lully“, fuhr Adelheit fort, „der soll ja neben der Haushälterin“, „der Sabse Schabulsky“, sortierte Edith sich die Namen zurecht, „Genau. Neben Sabse sollen da ja noch ganz andere „Personen“ ein und ausgegangen sein. Beim Pater Lully. Oder in dem so genannten Haushalt“.

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Das Feuerwehrauto hatte jetzt direkt bei ihnen angehalten und begann, die herumliegenden Räucherstäbchen (Sandelholz, aus Malaysia, ziemlich süß das Zeug) zusammenzusammeln, weil ja jetzt alles hier draußen zur rauchfreien Zone erklärt worden war.

„Das gibt’s doch nicht!“ entsetzte sich Edith. „Unser Pfarrhaus: Ein Freudenhaus? Sodom und Gomera! Weiß das denn das Fräulein Gehscha?“ „Ich kann mir das nicht vorstellen. Toleranz hin oder her“, zweifelte Adelheit klassisch. „Sie hat doch alles auf Lully gesetzt, als sie in Japan alles aufgegeben hat.“ „Hat sie das? Wirklich?“ Edith kannte Gehscha nicht so gut. „Ja. Ich meine“, meinte Adelheit, „das tut man ja nicht, wenn man dem Angebeteten nicht hundertprozentig vertraut, oder?“

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Das Feuerwehrauto polterte heftig und brachte die Unterhaltung streckenweise und immer mal wieder zum Erliegen.

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„Ja, also das ist schon ganz schlimm“, versuchte sich Adelheit durch den Lärm verständlich zu machen. „Das wird noch ein böses Erwachen für die beiden geben.“ Edith hatte zwei Ideen gleichzeitig: „Meinen Sie…?  – Wir könnten  eigentlich auch „Du“ zueinander sagen, oder?“ „Ja gerne! Also ich bin die Adelheit.“ „Und ich bin die Edith. Freut mich! – Ok“, fuhr Edith fort, „meinst Du, wir sollten mal mit Undine sprechen und ihr helfen? Sie darf doch nicht so unwissend bleiben. Schließlich haben  wir ja auch unsere sozialen Verpflichtungen und so, was meinst Du?“

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„Das finde ich eine ganz ausgezeichnete Idee“, stimmte Adelheit zu. „Wir sollten sie einfach zum Tee einladen und mal alles ganz in Ruhe bequatschen, oder? – Ist eigentlich dieser Feuerwehrakt bald beendet? Das hält ja kein Mensch aus! Und wo ist eigentlich der Fahrer von dem Gerät!?“

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„Ja, das machen wir.“ Edith war dabei. „Ich ruf sie heute an. Das passt mir gut.“

Damit war der nächste Schritt geplant. Sie wollten nicht einfach so zusehen, wie Undine ins Verderben lief.

Und auch die Berliner Feuerwehr hatte ihren vorsorglichen Räucherstäbchenräumeinsatz erfolgreich beendet und tuckerte von dannen.

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