Engel - Sesam
Nach dem Ärger mit dem himmlischen Salz an Heilig Abend, den sie ohne fremde Hilfe – auch Gottlob Friederich war nicht zur Stelle, der weilte ja (noch) in einer anderen Welt – in Ordnung bringen mussten, hatten sich die Engel ein neues Gefährt angeschafft: einen Unimog mit Straßenräumansatz.

Es war eine Überlassung vom Großmarkt, denn seit die Großmarkthalle verlassen da stand und man nur noch darauf wartete, dass das Bauunternehmen für die neue große Bank zu baggern anfangen würde, hatte man auch die alten treuen Gefährte entsorgt.

Und so waren Edelgart, Engelhart, Edeltraut und Co. jetzt stolze Besitzer eines Räumfahrzeuges. Besonders Edeltraut war hin und weg. „Ach Gottchen, wie niedlich und so kräftig gebaut und so praktisch…! Wenn wir den an Weihnachten gehabt hätten…, dann hätte sich Edelgart gar nicht so echauffieren und so schreien müssen.“

Und es wartete auch bereits eine erste Herausforderung auf ihn. Ein Berg Sesamsaat, den ein wütender Bauer aus Oberfranken hier oben abgeworfen hatte (er wollte nicht mit Weihrauch und Ambrosia bezahlt werden, sondern in Euro), musste schleunigst entfernt werden, bevor Edelgart vorbeikam und ob der Unordnung wieder herumtobte und himmlische Strafpunkte verteilte. Für alles gab es Strafpunkte im Himmel. Es war wie im Kindergarten.

Und Edeltraut war den Tränen nahe gewesen, als sie gesehen hatte, was der Bauer da angerichtet hatte und vorhersah, dass das alles wieder ihr zur Last gelegt werden würde. Ja, natürlich: Niemand hatte gesagt, dass im Himmel alles gerecht zugehen würde, aber solche Zustände hatte sie dann doch nicht erwartet.
Aber der Unimog vom ehemaligen Großmarkt arbeitete ganz hervorragend. Er war ihr ein treuer Helfer.

Allein durch Edeltrauts Gedanken-Steuerung, ganz ohne Fahrer – der weilte ja auch noch in einer anderen Welt; er hatte nicht so einfach mitkommen wollen; das wäre ein ganz anderer Deal gewesen – schob das Fahrzeug den Samen auf einen großen Haufen zusammen.
Und nach ein paar Stunden war schon das Gröbste erledigt. Fuhre um Fuhre transportierte der Unimog die Ladungen Sesam auf die Müllkippe, wo hoffentlich einmal schöne Sesampflanzen wachsen würden, aus denen man super Schnitzel machen konnte. Das würden die anderen Engelkollegen dann nur ihr, Edeltraut, zu verdanken haben. Hoffte sie.

Edeltraut weinte vor Glück. „Ach, wie schön! Jetzt kann Chef-Engel Edelgart stolz auf mich sein. In Zukunft können wir alles wegräumen, was uns in die Quere kommt. Völlig egal, wie und von wo es herunterfällt.“

Edeltraut half noch, die letzten Samenkörner per Hand auf den Unimog zu werfen, dann war das Thema erledigt. Und das Heulen konnte vorerst auch ein Ende haben. Gottseidank.