Torino - Marcs Gastbeitrag
Tipps für die Autokauf in Italien oder Die schönste Stadt der Welt
Ein Gast-Blog-Eintrag? Huch, da muss man sich doch benehmen, als Gast. Aber die Gelegenheit möchte ich nutzen und mich auch lesenswert benehmen. Dabei beachte ich doch gleich die redaktionelle Richtung und nehme das Thema mit dem italienischen Fahrzeug auf. Und berichte von meiner Erfahrung beim Kauf eines Autos in Italien…
Die schönste Stadt der Welt (neben Berlin) ist zweifelsohne Turin. Gegenvorschläge willkommen. Unterstützt durch VIP Freunde mit besonderen Privilegien genieße ich seit mehr als 20 Jahren Besuche dort. Die Mischung aus Industrie, Straßenzügen mit Häuserfronten wie in Paris, der schönsten Sprache der Welt, den schönsten Frauen der Welt, dem leckersten Essen der Welt, der Nähe zu Bergen und Meer ist einfach einzigartig. Nicht touristisch überflutet wie Rom. Das Leben spielt sich seit x Jahren AM Fluss statt, im Vergleich zu FFM, wo man bei Einbruch der Dunkelheit das Flussufer meidet. (echt? – HE)

Im September nutzte ich die Gelegenheit, nachdem der Frankfurter FIAT Händler die Wartezeit auf den neuen 500er auf „mit Glück im Januar“ bezeichnete, und bestellte direkt vor Ort. Bei Motor Village, einer Art IKEA Autohaus. Auch dort wieder perfekte ästhetische Inszenierung und Behandlung von Interessenten. Der erste Tipp folgt gleich hier: italienische Sprache ist von Vorteil, mit englisch kommt man nicht weit (auch, wenn die Italiener artig nicken und dabei lächeln). Sonst hat man statt der Sitzhöhenverstellung eine Sitzheizung eingebaut. Kleine Anzahlung per Kreditkarte und man geht satt, stolz und zufrieden ins nächste Ristorante.
Der nächste Besuch in Turin ließ dank der Beziehungen nicht lange auf sich warten, ich wählte diesmal den Nachtzug (viel Bier und Ohrenstöpsel mitgenommen, um wenigstens etwas Ruhe zu haben. Ein 20 EUR Aufschlag für eine Einzelkabine ist klasse, hält aber den Krach durch die Trennwände und vom Gang nicht fern. Nie hörte ich in dieser Nacht ständig so viele neue Geräusche und Lärm in unregelmäßigen Abständen hintereinander weg. In Turin erwartet einen der Sackbahnhof (im Umbau) mit der wohl höchsten Wartehalle der Welt. Die Sonne scheint, eine Frage nach Via Roma (zum shoppen), von jungen Damen beantwortet, und der Tag kann beginnen. Die anschließende Fahrt mit Bus zum Motor Village kostet ganze 1,– EUR.

Die Überweisung des Restbetrages liegt einige Tage zurück, alles sollte klappen. Unbedingt Kopie des Überweisungszettels samt Bankstempel direkt in der Bank machen lassen. Im Internet aufgeschlaut und sauber vorbereitet: Man erhält COC Papiere (da steht dann PS Zahlen und mm etc drin), eine Rechnung (als Eigentumsnachweis) und ein italienisches A6 Kennzeichen zur Überführung (5 Tage gültig).
Achtung: Man bekommt keinen Kfz-Brief, da das Auto ja für den Export bestimmt ist. Die Abholung war fein, man stellte mir den englisch-sprechenden Einweiser zur Verfügung, wir verständigten uns dann aber doch mit Händen und meinen italienischen Grundkenntnissen.
Beim Tanken dann die erste Überraschung, mit 30,– EUR kam ich aus. In der Heckscheibe ein Pappschild (A6 Kennzeichen), ging es dann um 16.00 los Richtung Schweiz über den Gr. San Bernardo. Bei Ausfahrt aus Italien dann die Art von Erlebnis, die sich wiederholen sollte: Bitte rechts ran fahren. Statt der Papiere sahen sich die italienischen Beamten den Wagen an, öffneten Türen und Haube. Der 20m weiter wartende Schweizer Beamte warf mir mürrisch die Vignette hin, gab natürlich auf 30 EUR den Restbetrag in Schweizer Franken raus.
Dann folgten die erwarteten km über geschlossene Schneedecke und Schneesturm. Die Winterreifen waren aufgezogen, die Sommerreifen auf Rücksitzbank und Kofferräumchen.
Bei Einfahrt in D wieder „Bitte rechts ran, Papiere“ und die schroffe Anfrage, wo denn wohl die Kennzeichen seien. Der Hinweis, dass das Pappschild eine ordentliche italienische Urkunde zur Überführung sei, half nicht, man durchsuchte alle Papier, gab sich dann zufrieden, als man den grünen Versicherungsschein (gab mir der Händler zum A6 Kennzeichen) gefunden hatte.
3.00 Uhr Ankunft zu Hause. 8.00 Uhr Vorfahrt bei der örtlichen Zulassungsstelle. Das Auto muss man vorfahren, da dort die Fahrgestellnummer kontrolliert wird. Auch hier: Gleich 2 Beamte kamen mit raus, schwärmten, quatschten, ach ja, kontrollierten auch die Nummer. Dann begann eine kleine Katastrophe, weil man den Kfz Brief sehen wollte. Meine Erklärungen, dass bei neuen Fahrzeugen innert der EU dieser nicht nötig sei, halfen nicht.
Also Kurzzeit-Kennzeichen kaufen, ich sollte ein Fax aus Italien folgen lassen, auf welchem man bestätigt, dass ich keinen Brief erhielt. Ein m.E. nach unnutzer Vorgang, da ein Fax wenig Glaubwürdigkeit hat und man etwas bestätigen soll, was NICHT passierte. Das Fax („Wir bestätigen Fahrzeug not Rüsselsheim“) enthielt den falschen Inhalt. Das zweite Fax „Wir bestätigen, zum Fahrzeug Nr… keinen Brief ausgestellt zu haben“ kam an, reichte aber nicht aus, da, man halte sich fest, das Wort „italienischer“ als Zusatz zum Brief fehlte. Meine Frage, ob denn ein italienischer Händler einen griechischen Brief ausstellen kann, blieb unbeantwortet.

Am letzten Gültigkeitstag der Kurzzeit-Kennzeichen (die Turiner verstanden weder die Welt noch waren gut auf mich zu sprechen) beharrte man immer noch auf den Zusatz. Dann folgte kurze Schnappatmung, ich entschied mich, beim nächst-höheren Amt anzurufen.
Der zuständige Leiter bestätigte sofort, dass es überhaupt nicht notwendig sei, einen Kfz-Brief bei Neuwagen/innert EU/COC und Rechnung vorliegend zu benötigen, innerhalb 30 min hatte der Wagen die Kennzeichen.
Nachfolgend fordert man beim Finanzamt ein Formular an, mit dem man 19% Mehrwertsteuer ausrechnet und überweist – fertig. Dass jetzt in meinem Kfz-Schein etwas von „Aufbau bei 8 Sitzen“ steht, interessiert mich nicht – offenbar ein weiterer Irrtum vom Amt. Dass die Versicherung anruft und den Fahrzeugschlüssel als „Ur-Fiat“ hinterfragt, da doch das Baujahr 2007 sei, stört mich auch nicht, in den Versicherungspapieren steht der korrekte Schlüssel, die Kopiervorlage bei der Zulassungsstelle war bestimmt älteren Datums.
Die zig Fahrten zur Zulassungsstelle habe ich schon fast vergessen, den Amtsschimmel höre ich dafür wohl noch lange wiehern…
Link MotorVillage: http://www.mirafiorimotorvillage.it
Link Turin: http://www.turismotorino.org