Manfred 3 / Alte Bekannte Sabse
Manfred hatte Sabse alarmiert. Er musste sich unbedingt und schnellstmöglich mit ihr treffen. Wie er aus zuverlässigen Quellen gehört hatte (Hans), würde es brenzlig werden.

Sie hatten sich in der Leder-Stahlrohr-Sitzecke verabredet. Manfred war als erster da. Er musste sie warnen. Es war kurz davor, dass man ihr auf die Schliche kam.

„So, Manfred, worum geht’s denn so dringend“ rief sie spöttisch, als sie ihn so ängstlich da stehen sah.
„Sabse, du musst aufpassen, Deine Machenschaften fliegen demnächst auf.“

„Was meinst Du denn mit „Machenschaften“?“ tat sie unschuldig.
„Sabse, es gibt jetzt Leute, die wissen offensichtlich genau, was damals war, weswegen Du die Flucht ergriffen hast.“ „Ich? Flucht? Keinesfalls! Ich habe woanders einen besseren Job bekommen, das war alles.“ „Egal Sabse, es muss jetzt Schluss sein. Ich weiß, dass du von Lully bezahlt wirst, damit du Deinen Mund hältst und nichts ausplauderst. Du erpresst ihn, damit nicht rauskommt, was da die letzte 10 Jahre oder so mit Unterbrechung gelaufen ist.

„Ja, aber jetzt mach mal bitte langsam. Erstens ist das schon so lange her, und Lully hat sich das zweitens alles alleine zuzuschreiben. Edith und die anderen Mädels, die er liebte und benutzte, von denen er abhängig war… Es waren ja nicht die Ladies, die unbedingt zu ihm wollten. Er war ja süchtig geradezu, machte sie mit Messwein betrunken, versprach ihnen den Erlass von Fegefeuer und Vorhölle usw. und ich war nur die Verwalterin, die das alles koordinieren musste, damit er seinen normalen Job nebenher weitermachen konnte und keine etwas von den anderen erfuhr. Lass mich nur damit zufrieden…. Das war jede Menge Stress! Wenn er jetzt was von mir will, soll er es mir sagen.“ Und damit drehte sie ihm den Rücken zu und stapfte davon.

„Halt halt, Sabse!” rief er ihr nach. “So einfach ist das nicht mehr. Es gibt jetzt Menschen, die davon wissen und es gibt Undine Gehscha.“

„Ja, das schöne Mädchen Gehscha. Die hat die längste Zeit ihr Glück genossen. Sie wird bald wieder ganz brav nach Hause fahren. Darauf kannst du Gift nehmen. Entweder sie oder ich. Was weißt du denn eigentlich genau? Was für eine Verschwörung ist denn da im Gange gegen mich? Und warum ausgerechnet jetzt“

„Was ich weiß, ist, dass sie sich gegen Dich zusammentun. Und das wollte ich Dir sagen. Rechtzeitig, der alten Zeiten wegen.“

„Alte Zeiten? Wie süß! Was war denn da? Hatten wir auch mal was miteinander? War da was in Deinen Augen? Kannst Du Dich überhaupt noch daran erinnern? Hast Du da womöglich etwas erwartet? Das war doch nur ein Spaß, nur ein Zeitvertreib. Das kannst Du doch nicht ernst gemeint haben!“
„Ach so, so war das also“, resignierte Manfred, „nur Spaß?“ „Ja, ein Spaß!“ „Na gut: Dann lassen wir das lieber. Reden wir nicht mehr davon. Ich habe Dir gesagt, was ich Dir sagen wollte. Edith Hübsch und Adelheit haben Dich demnächst in der Mangel. Alles weitere ist jetzt Deine Sache. Machs gut.“

„Meine und Lullys Sache, denke ich“, rief ihm Sabse nach. Sie wusste schon lange, wie niederträchtig die ganze ehrenwerte Gesellschaft um Frau Hübsch und Frau Tybbke war. So aufrecht und sauber, die beiden. Unschuldig und naiv. Ihre Männer hielten sie im Gesangverein und unter der Küchenarmatur. Nett und freundlich unter einander, gegen andere aber, die nicht so waren wie sie, intrigant und bösartig. Solche Leute hatte sie satt.
Manfred ließ sie stehen. Er fluchte innerlich. „Dieses Stück!“ Wie konnte er mal so verschossen in sie gewesen sein? Unglaublich! Sollte sie sich doch jetzt das Hirn einrennen! Er konnte sie nicht mehr aufhalten. Er hatte sein Möglichstes getan. Ihr Mann war ja auch verschollen.

Er war stinksauer.