Gehscha 16 / Aufklärung 1
Adelheit Tybbke und Edith Hübsch hatten sich mit Undine Gehscha auf der orangeroten Sitzecke zu ihrem Geheimtreffen verabredet.

Undine kam und war sichtlich erwartungsvoll nervös.

“Können Sie mir bitte ganz ohne Umschweife sagen, worum es geht?” brach Undine sofort los. Sie wollte keinen Small Talk, sie wollte Fakten.

“Also gut”, begann Adelheit etwas erschrocken, aber sie wollte ihr bestes tun, um in einfachen Worten die komplizierte Lage der Dinge zu beschreiben. “Wir wollen Sie nicht weiter im Dunkeln lassen, sondern Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, Undine. Sie wissen vielleicht, dass Frau Sabine Schabulsky, Ihre Nachbarin, die ehemalige Haushälterin von Pater Lully ist?”

“Ja, darüber haben wir uns schon auseinandergesetzt”, seufzte Undine. “Ich weiß auch, was in diesem Zusammenhang eine “Haushälterin” ist und macht. ” “Dann ist das ja schon einmal erledigt”, machte Edith Hübsch weiter. “Sabse hatte aber noch eine andere Aufgabe. Denn außer ihr gab es noch andere weibliche Personen, die bei Lully ein- und ausgingen.” Sie wartete kurz auf eine Reaktion von Undine, die kam aber nicht.
“Ja”, machte Adelheit weiter, “Sabse war das Organisationsbüro von Lullys Hobbykeller sozusagen. Sie stellte die Kontakte her, auf Basis von Lullys Wunschliste und wählte entsprechende Personen für ihn aus. Und er scheint sich auf ihre Dienste und ihren Geschmack verlassen zu haben. Denn er hat sie gut dafür bezahlt. Und…”

“Hören Sie auf! Ich kann es nicht mehr hören!” Undine war den Tränen nahe. “Nur das noch, liebes Fräulein Gehscha: Sabse bekommt wohl heute noch monatliche Beträge für ihre Dienste von damals…” “Oder”, fiel Edith ihr ins Wort, “dafür, dass sie nichts darüber erzählt…?!”
“Das ist ganz und gar widerlich, was Sie mir da erzählen, und es verletzt mich tief. Ich möchte Ihnen nicht glauben, aber ich muss es wohl tun. Was treibt Sie dazu, mir das zu sagen? Ihre Abneigung gegen Frau Schabulsky? Denken Sie, ich sollte etwas gegen diese Person unternehmen? Ich denke, das hat noch Zeit. Ich will jetzt sofort und zuerst mit Lully reden, das ist mir wichtiger. Deshalb möchte ich Sie auch jetzt verlassen. Und keine weiteren Details von Ihnen hören. Ich kann kein Wort mehr verdauen.”

Sprach’s und wandte sich um und ging. “Aber warten Sie doch”, rief Adelheit ihr nach. “Wir müssen doch eine gemeinsame Strategie aushecken!” Aber Undine drehte sich nicht mehr um.

“Strategie? Gegen wen? Nein, das müssen wir überhaupt nicht. Ich muss mit Lully reden, sonst nichts.!”