Chappaz - Rinder Kinder….
Mal wieder ein seltsames Buch aus der Schweiz:
Maurice Chappaz: „Rinder, Kinder und Propheten. Zweitausend Jahre in den Bergen in 36 Bildern (Miniaturen zum Jubiläum der katholischen Religion)“. CH-Frauenfeld (Verlag Der Bärenhüter im Waldgut) 1990. Mit Illustrationen von Ruedi Baumann, deutsch von Pierre Imhasly. 200 Seiten, zur Zeit vergriffen, im ZVAB 8 mal angeboten, um € 10,–.

Es lohnt sich auf alle Fälle, die Geschichte der Walliser etwas zu kennen (Grundzüge), sonst versteht man gar nichts. Im Anhang sind Stichworte und historische Personen erklärt, das hilft aber nicht viel weiter.

Es kämpfen um das Wallis in und um die Stadt Sion / Sitten Propheten gegen Apostel, Professoren, Staatsräte, Gott, Teufel und viele andere mehr gegeneinander.
Im Kampf tauchen auch maßgeblich auf die Figuren Schiner, Theodul (der vom Theodul-Pass) und Supersaxo (der Bischoff mit den vielen Kindern), neben den „Typen“, den Standesvertretern der Gesellschaft und der Bürgerschichten.

Alles ist erzählt in einem gedrängten, expressionistischen, gehetzten Text. Deftig und „wortgewaltig“. Figuren aus unterschiedlichen Zeiten treffen aufeinander (z.B. Supersaxo und Rilke, der dort begraben ist).
Im zweiten Teil gibt es eine dicke Lobeshymne auf das gottgelobte Land, die kulinarischen Genüsse und Gottes Zorn, als der sieht, dass die Walliser ihr Land nicht hoch genug schätzen, wie die Kirche alles vereinnahmt hat und die Freiheiten der Menschen beschränkt. Wie die Industrie alles verschmutzt und verschandelt und Gottes Rache ist vorprogrammiert.

Im dritten Teil staunt dann auch der Teufel, wie fortschrittlich die Walliser schon ihre Natur und Einwohner zugrunde gerichtet haben.
Die Übersetzung war sicherlich sehr schwer. Im Nachwort sagt der Übersetzer, er habe versucht, den Sinn zu übertragen, anstatt die Bilder zu übersetzen. (So verstehe ich das Nachwort wenigstens.) Das Ergebnis ist immer noch sehr schwere Kost. Man fragt sich oft: Was meint er denn umhimmelswillen?

Kurz und gut: Bis zum Schluss bleibt nur eine grobe Ahnung, was eigentlich passiert. Es passiert entsetzlich viel und Dramatisches, alles auch sehr ausdrucksstark beschrieben, aber was genau? und warum? Zum Schluss ist das Wallis auf jeden Fall gerettet. Der Teufel liegt in Ketten (S. 188)

Also bitte obacht: Nur für geübte Leser, oder solche, die sich viel Zeit nehmen wollen.