Maloja 1 - Montag
Ich wohne direkt gegenüber von Segantinis Atelier.
Sehr schön. Sehr romantisch.

Das Schweizerhaus selbst ist ohne Makel, höchstens den Geruch nach Raclette oder Käsefondue, der abends durch die Gänge zieht, könnte man bemängeln.

Der erster Gang durchs Dorf: Es hat viel Schnee,…

…der aber Stück für Stück am Abtauen ist. Es hat lange nicht mehr geschneit.

Jedenfalls scheint heftig die Sonne und der erste Spaziergang führt traditionell zum Lej Cavloc.

(Das ist ein Brunnen aus Holz, in dem das Wasser gefroren ist.)
Der Weg ist ca. 50 cm unter der Schneedecke, zeitweise sehr glatt, aber die größere Gefahr stellen natürlich halsbrecherische Langläufer dar, die einem auf ihren schmalen Dingern entgegenschreddern. Im V-Stil, damit nur kein Platz auf dem Weg mehr bleibt.

Zum ersten Mal sieht mein Photoapparat Schnee:

Braucht aber noch etwas Nachhilfe, so ganz allein schafft er es noch nicht.

Es ist schon sehr idyllisch hier oben. Wenige Wanderer, kaum Neon oder Pinkfarben, die in der Landschaft nerven (außer einem quietsch-gelben Langläufer).

Dieses Photo hätte fast meinen Absturz bedeutet. Einen Tritt neben dem Weg, und da sah es genau so stabil aus wie auf dem Weg, versank ich bis zum Anschlag mit meinem linken Bein im Schnee. Da war kein Halten mehr, es ging langsam immer weiter nach unten. Dann war mühevolles Rauskriechen angesagt, Photo abtrocknen und Wandersleute beruhigen (”Geht schon, kein Problem…”). Lach!
Und dann war der Weg geschafft. Der Cavloc See in seiner ganzen Pracht, erstmal von hinten:

Dann näher dran:

Jaja, das ist normalerweise ein dunkelblauer ruhiger See mit Fischen drin ohne Ende, und in der Hütte rechts auf dem kleinen Hügel gibt es Gerstensuppe und - wenn Saison ist - Murmeltierragout (für den der’s mag).

Im Winter fehlen solche Farben: gelb, rot, blau. Man freut sich über jedes farbige unnatürliche Stück.

Achja, das richtige Schuhwerk muss es schon sein. Ich habe die alten Zuverlässigen von Lowa ausgegraben, für die ich vor zig Jahren mal die Pfingsferien durch gearbeitet habe, um sie mir kaufen zu können, und muss sagen: Immer noch sehr sicher und sehr bequem.
Das Wetter zog sich etwas zu, Wind kam auf, Schleierwolken ebenfalls, und so langsam drängelte mich mein Bauchgefühl wieder Richtung Dorf. (Ich hatte Hunger, keine Verpflegung dabei, noch nicht einmal was zu trinken, ich hatte nur an die Photogerätschaften und das Zubehör gedacht, nicht an das leibliche Wohl. Anfängerfehler. Passiert morgen nicht mehr.)

So. Morgen gibt es den Abstieg und mehr vom Dorf.