Maloja 5 - Mittwoch
So. Das Wetter ist wider aller Vorhersagen immer noch gut, also geht es heute auf den See.

Und da haben die Engadiner schon eine Meisterleistung vollbracht. Der See ist am kommenden Samstag Austragungsort für den Engadiner Halbmarathon, am Sonntag darauf ist Frauenmarathon und am Sonntag danach normaler Skimarathon, 42 km wie es sein muss.

Dementsprechend sind erstmal die Fussgänger von den Skifahrern getrennt - es gibt völlig separate Wegstrecken.

Dann sind Zäune aufgebaut für die Startphase, die hier stattfindet, bis zu kleinen Tribünen auf dem Eis und die ganzen Vorrichtungen für die Sportreporter, Kameras usw.

Das wird ein Riesenrummel sein. Ich bin da ja dann weg. Gottseidank.

An manchen Stellen sieht es aus, als wäre der See gar nicht so arg gefroren, aber das täuscht. Es liegt mindestens ein halber Meter Schnee unter mir und dann natürlich Eis über dem Wasser.

Was natürlich gar nicht geht, ist, irgendwo mal schnell auszutreten. Deshalb haben sie oben in Maloja am Weganfang 5 Dixihäuschen aufgestellt. Prima.
Müll wegwerfen geht auch nicht, das sieht nämlich jeder und steinigt dann den Übeltäter sofort (oder taucht ihn kurz aber heftig in den Schnee). Ausdrücklich wird von den Engadinern darauf hingewiesen, dass Hundekot im Schnee auch nicht schön aussieht, deshalb gibt es überall bei den Mülleimern (aus Holz) die roten “Bravo” Tüten, in die der Hundehalter den Hundekot seines Lieblings aufsammeln und entsorgen kann. (Was müsste mir da fehlen…!)
Und man kann sich natürlich auch nirgends hinsetzen und ausruhen. So alle Kilometer gibt es deshalb eine Bank. Die sollte man sofort belegen, wenn sie frei ist. Man weiß nicht, wann die nächste freie kommt.

Der Weg und das Wetter sind phantastisch. Nach rund 100 mal Gruezi-Grüßen (Pflicht!) schwenke ich auf “guten Tag” und wechsle dann immer mal wieder die Gruformel, wird ja sonst langweilig.

Ach ja, parallel, drüben laufen die Langläufer. Man sollte das vielleicht auch mal probieren…

Langsam habe ich Panik, dass mein rechtes Ohr verbrennt, von dort strahlt der Planet am heftigsten.


Und soweit das Auge reicht ist keine trübe Wolke in Sicht.
Hier naht die Rettung. Das Restaurant Lagreve von Isola hat eine Außenstelle eröffnet.

Da lässt man es sich mal richtig gut gehen.

Hinter mir, wenn man genau hinsieht, in der Schneezunge sieht man ein Dorf, das heißt Grevasalvas.
Da wurde der alte “Heidi” Film gedreht. Wirklich. Da oben.

Und das ist schon wieder der Weg zurück.
Dazu morgen mehr.