Eliade - Kosmos und Geschichte
Hier geht es um ein kleines Bändchen von Mircea Eliade: “Kosmos und Geschichte - Der Mythos der ewigen Wiederkehr”, im französischen Original erschienen 1949, deutsch 1984 bei Insel und jetzt als Taschenbuch Band 4, aus der Backlist nach vorne geholt, im Suhrkampschen “Verlag der Weltreligionen”, 2007, 192 Seiten, schön übersetzt von Günther Spaltmann, € 9,–.

Es ist ein kleines Standardwerk, der Titel hört sich kompliziert an, aber Eliade schreibt verständlich, immer nachvollziehbar, gibt Ausblicke und Zusammenfassungen, hilft dem Leser, am Ball zu bleiben.
Worum geht es?
Es geht um (Klappentext) “…eine der Grundfragen der menschlichen Existenz überhaupt: Wie erträgt der Mensch das Leid und die Katastrophen, denen er ausgeliefert ist? Wie deutet er das historische Geschehen und gibt damit dem Leben einen Sinn?”

Eliade, ursprünglich Rumäne, einer der umfassendsten und kenntnisreichsten Religionswissenschaftler, seit den 50er Jahren bis zu seinem Tod Professor für Religionswissenschaften in Chicago, stellt den “archaischen Typus Mensch”, der alles Historische in ein System von Mythen und Archetypen einordnet und es damit “erklärt”, dem modernen Menschen gegenüber, der historisch denkt und sich als “Schöpfer der Geschichte sieht.
Für die alten Archetypen und Mythen gibt Eliade eine Fülle von Beispielen, die zum Beispiel die Muster der “kosmischen Rhythmen”, Orte des “Mittelpunktes”, “Erneuerung des Kosmos” nach vorgegebenen Zeiten usw. beschreiben. Sie alle haben im Grunde das Ziel, menschliche Handlungen und “Schicksale”, z.B. durch ein außermenschliches Vorbild (S. 42) oder einen zyklischen Vorgang, zu rechtfertigen.
Verblüffend ist, dass solche Erklärungsmuster sich in allen untersuchten Weltreligionen gleichermaßen wiederfinden.

Das Thema “Vernichtung und Wiederkehr” bzw. “Schuld und Verantwortung” und wie man zum “Schrecken der Geschichte ” steht, war 1949 höchst brisant. Aber - und das deutet Eliade ebenfalls an - angesichts der Möglichkeit, durch die Atombombe / Klimakatastrophe / …, dem historischen Verständnis des modernen Menschen die Option einer Zukunft generell zu berauben, birgt aktuelle Fragestellungen.

Eliade beschreibt sehr einprägsam die revolutionäre neue Richtung im Weltverständnis durch die jüdische Gottesauffassung und ihre Offenbarung (am Beispiel Abraham und Isaak S. 123). Und an dem Begriff “Glauben” und den Grundsätzen der christlichen Theologie, wie sie eine Möglichkeit bietet, aus dem Kreislauf der ewigen Wiederkehr herauszufinden.
Das ist sehr spannend und erkenntnisreich geschrieben. Sollte man gelesen haben. Bringt einen weiter. Auch zu solchen Überlegungen, in wieweit christliche Religion und Buddhismus z.B. vereinbar sind. Nach Eliades Logik und Deutung nämlich grundsätzlich - sofern man ihn nicht nur als Entertainment- oder kommerzielle Quelle sieht - überhaupt nicht.

Der Klappentext endet:
“Dabei zeigt sich, dass die Muster noch immer für unsere heutigen Lebens- und Handlungsgewohnheiten bestimmend sind, und ein tieferes Verstehen uns scheinbar so fremder archaischer Kulturen überraschende Einsichten in die Ursprünge unseres eigenen Denkes und Verhaltens zu vermitteln vermag.”
Also los!