Heinerblog

12.3.2008

Schmidt - Dialoge 1

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:26

Wieder- neu- nochmal- und endlich fertiggelesen: Arno Schmidt - Dialoge 1. Aus der Werkgruppe 2 der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts ist das der Teilband 1/1 der Studienausgabe. Zürich (Haffmans) 1990, 233 Seiten. Die gesamte Werkgruppe der Dialoge in 6 Bänden (Broschur) gibt es noch in der Haffmanschen Ausgabe, in der Kasette zur Zeit z.B. auch bei Zweitausendeins.

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Darin enthalten sind die Radioprogramme Arno Schmidts zu de la Motte-Fouquè “Massenbach - Historische Revue”, James Fenimore Cooper “Siebzehn sind einer zuviel !”, Barthold Heinrich Brockes “Nichts ist mir zu klein”, nochmal “Zum Gedächtnis an Friedrich Baron de la Motte-Fouquè: Anachronismus als Vollendung”, zu Samuel Christian Pape “Vergessene Dichtung aus Moor und Heide” und zu Karl May natürlich: “Vom neuen Grossmystiker”.

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Die Werkgruppen der Bargfelder Ausgabe waren von Anfang an immer nur geschlossen beziehbar, deshalb gibt es auch diese “Kasetten”, in denen die Studienausgaben verkauft werden. (Die teure Standardausgabe - soweit ich weiß - ist ebenfalls nur in ganzen Gruppen erhältlich, obwohl der Buchhandel da wahrscheinlich etwas großzügiger verfahren wird.)

So war der Deal mit dem Fischer Verlag damals, als Haffmans begann, die Werke Arno Schmidts im Geheimen neu herauszugeben, zu drucken, und sie in einer Nacht- und Nebelaktion nach Deutschland in den Buchhandel zu bringen. Davor und danach wurde dann die gerichtliche Auseinandersetzung mit Fischer ausgefochten, der die Rechte auf das Werk Arno Schmidts hatte.

Der Vorwurf Gert Haffmans und der Arno Schmidt Stiftung in Bargfeld, die sich als Rechte-Nachfolgerin sah: Fischer hat kein Interesse, lässt zuwenig Sorgfalt walten und kümmert sich nicht standesgemäß um das Werk, das der Allgemeinheit in einer guten Form (Vollständigkeit, Fehlerfreiheit) endlich / erstmals zugänglich gemacht werden muss.

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Das war schon aufregend damals. Mittlerweile ist Haffmans in Konkurs gegangen, macht aber seit einigen Jahren bei Zweitausendeins wieder Bücher, und die Arno-Schmidt Stiftung verlegt die Werke bei Suhrkamp. Fischer hat nach wie vor die “normalen” Rechte an den Einzel-Ausgaben, aber die kann man auch getrost vernachlässigen. Sie haben nur historischen Wert, sind textlich nicht gesichert.

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Was nach wie vor aussteht und seit Jahren in Arbeit ist, ist eine gesetzte Fassung von “Zettels Traum”. Ich meine, sie war von Haffmans mal für 2004 angekündigt (!). Da arbeitet wohl immer noch eine kleine Schar von Typesettern sich die Finger wund und die Korrektoren und die Leute aus dem Lektorat bekommen reihenweise Krämpfe und ständig müssen rote Filzstifte nachbestellt werden.

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Soll ich was zum Buch sagen?

Naja, Arno Schmidt eben. Einige Themen sind vielleicht etwas abseitig… Ich habe immer Schwierigkeiten mit den historischen Sachen: Massenbach, Napoleon, Fouquè, Preussen usw. sind für mich ganz weit weg. Dafür komme ich mit den Romantikern und den englisch / amerikanischen Sachen (da meine ich jetzt nicht Karl May damit) immer ganz gut zurecht.

Nur: Es sind ja wirklich die Texte, die Dialoge, der Witz und die Sprache, die diese Radioprogramme ausmachen (wurden für den Hessischen Rundfunk gemacht, soweit ich weiß.) Und das ist ganz großartig. Die Sprecher und die Dramaturgie der Dialoge sind so lebendig und saftig geschrieben, man sieht die Herren förmlich im Studio vor sich sitzen. Das macht einfach unglaublich Spass.

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Und mit der Interpunktion und den seltsamen Abständen etc. kommt man sehr schnell klar und merkt, dass sie helfen, den Tonfall des Textes zu “hören” und Betonungen herauslesen zu können. Das stört in keinem Falle. Im Gegenteil. Es macht klarer.

Wenn man Spaß hat, sich auf was Neues einzulassen und dabei zuhören möchte, wie reichlich gebildete Leute sich über Bücher und Literatur unterhalten, dann ist das sehr empfehlenswert.

Noch was Schönes: Das Buch hat keine Tippfehler.

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Also los. Nur Mut.

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