Heinerblog

15.3.2008

Frank Doll - Die Verhöre 8

Abgelegt unter: Das Orakel, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:13

„Orakel, kommen Sie heraus, wie wissen, wer Sie sind. Sie stehen im Verdacht, Edith Hübsch ermordet zu haben, um an ihren Gewinn aus der Lotterie zu kommen. Gestehen Sie und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“

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Ganz langsam und leise quietschend ging die Tür auf.
Doch dann waren sie erschüttert.

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In dem Häuschen saß nicht das nach Myrrhe und Weihrauch duftende Orakel mit Hut und Zeitung, wie von allen beschrieben, sondern ein eng umschlungenes Pärchen.

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„He, was soll’n das? Kann man nicht mal in Ruhe aufs Klo?“
„Na, das sieht mir ja aber anders aus, was Sie da machen!“ konterte Grolle. „Wohin haben Sie denn das Orakel verscheucht?“
„Orakel? Was ist denn das für ein Quatsch, bei Ihnen piept es wohl! Orakel! So was gibt es doch gar nicht!“

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„Vielleicht schauen Sie mal weiter bei dem Buch, das da liegt, vielleicht ist das ihr Orakel, der Spinner, der die Hosen nicht mehr hochkriegt!“

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Und tatsächlich: Auf dem teuren Ledereinband saß das „Orakel“, Sabses Ehemann, in wohl vertrauter Haltung. Er hatte es weder für notwendig erachtet, die Hose hochzuziehen, noch den Hut oder die Zeitung abzulegen.

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„Herr Schabulsky“, wir wollen mit Ihnen reden!“ riefen sie etwas nervös nach oben. Wie immer, wenn sie der Aufklärung eines Falles so nahe waren.

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„Und warum? Können Sie Ihre Anfrage nicht schriftlich einreichen, wie alle anderen auch?“
„Nein, das können wir nicht. Wir wollen auch nicht das Orakel befragen, sondern Herrn Schabulsky verhaften, Sabse Schabulskys untergetauchten Ehemann, verdächtig der Tötung Edith Hübschs aus ganz niedrigen Beweggründen.“

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„Na gut, ich komme mit Ihnen. Ich gestehe alles, wenn Sie mir nur einen Orthopäden beschaffen, der mir aus dieser verkrampften Position hilft.“

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„Ich kann nämlich nur in dieser Haltung sitzen, kann mich nicht mehr richtig aufrichten, der Hexenschuss, wissen Sie! Das Leben im Orakelhäuschen hat mir ganz schön zugesetzt. Was bin ich froh, dass das vorbei ist.“

„Das kriegen wir hin, keine Sorge!“ versicherte Doll wieder ganz beruhigt, und sie nahmen ihn von beiden Seiten unter die Arme und führten ihn ab.

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Und Pablo, der Leierkastenmann, versuchte, eine Moral der Geschichte zusammenzudichten. Aber außer dem alten „Verbrechen lohnt sich meist nicht“ oder „Wir werden alle mal erwischt“ fiel ihm nichts Wesentliches ein.

Damit wäre also diese lange Geschichte endlich auch beendet. Spektakulär nicht?

1 Kommentar »

  1. Oh weia… Das Orakel wars? Unfassbar. Wohin wurde das Orakel denn jetzt abgeführt. Musses ins Gefängniss oder schiebt man es einfach ab nach Kanada? Da wollte es doch eh hin, bevor es auf dem Klohäusschen in der Schrebergarten hinter dem Bahnhof hängen geblieben ist. Als der Herr Schabulsky…

    Kommentar von Steffen — 16.3.2008 @ 23:48

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