Heinerblog

16.3.2008

Irving - Die vierte Hand

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:07

Ich habe gelesen: John Irving „Die vierte Hand“ Zürich (Diogenes) 2002, 437 Seiten, als TB € 11,90.

Das ist die Geschichte, um die es geht:

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Was ist mir im Gedächtnis geblieben?

Ein abgemagerter Handchirurg, der die Köttel seines Hundes „Medea“ aufsammelt und sie auf die Eichhörnchen in Nachbars Garten schleudert (S. 67). Sehr lustig.

Eine sehr sympathische Beschreibung der Reise des Fernsehjournalisten Patrick zum „Frauenkongress“ nach Japan.

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Ein Türsteher (Concierge) in dem Appartementhaus, wo er früher gewohnt hat, der offensichtlich 3 unterschiedliche Namen hat, von denen abwechselnd immer 2 falsch sind. Er hält den Fernsehreporter Patrick, der die Hand verloren hat, für einen bekannten Footballspieler und lässt sich auch durch offensichtliche Logik nicht davon abbringen. („Ich sag keinem was!“) Sehr skurril.

Es macht richtig Spaß, wie er die Spannung seitenlang aufbauen kann, z.B. vor dem zu erwartenden Tod Ottos, des Handspenders, der immer wieder durch Banalitäten (naja “Banalitäten” - es ist die Nacht des Superbowl) unterbrochen wird.

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Da ist ganz klar und deutlich, was ein großartiger Geschichtenerzähler Irving ist.

Dann wird aber die Situation mit Doris Clausen schwierig. Sie hat dem Journalisten die Hand ihres Mannes Otto verschafft und macht ihn jetzt zum Erzeuger ihres Kindes. Sie hat aber nur immer eine Beziehung zu der Hand, nicht zu dem Menschen Patrick Wellingford. Daher kommt das Problem…

Und so wird es langsam unruhig und unbestimmt, etwas ziellos und undurchschaubar.

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Patrick trennt sich von Doris, bekommt daraufhin Phantomschmerzen. Eine eifersüchtige Kollegin vom Fernsehstudio macht ihm zu schaffen (dafür wird sie später seine Chefin, ganz intrigant). Er reist nach Boston zum Chirurg. John F Kennedy Junior stürzt vor Martha’s Vineyard mit dem Flugzeug ins Meer und Patrick hat eine Beziehung zu einer 51-jährigen Frau.

Aus der Diskussion um den richtigen Tonfall bei der Berichterstattung über das Kennedy Unglück entwickelt sich der Rauswurf aus dem Studio. Patrick verliert seinen Job.

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Er unternimmt eigentlich nichts mehr aktiv. Er lässt sich treiben, profitiert davon, dass ihn alle Frauen haben wollen, auch seine neue Chefin bekommt er ins Bett (oder sie ihn). Auch sie will ein Kind von ihm, endlich. Und dann klappt es auch noch mit der 20-jährigen Maskenbildnerin.

„Was war eigentlich gegen sexuelle Anarchie einzuwenden?“ fragt er sich auf Seite 313. Nichts. Aber als Leser fragt man sich „Was hat das mit der vierten Hand zu tun?“

Schließlich endet die Geschichte in einer Familienidylle mit Klein-Otto und der Mutter, der Exfrau des Handspenders, in Wisconsin. Als Leser wartet man dringend darauf, dass noch etwas Aufregendes passiert, das tut es aber nicht. Idyllen sind langfristig nicht interessant und nicht lustig.

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Das plätschert also dann so dahin. Händchenhaltendes Glück der Familie.

Aber egal. Ein toller Erzähler.

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