Vigevani - Sommer am See
Nachdem ich in einer Thea-Dorn-Sendung Michael Krüger, den Chef des Hanser Verlages, dieses Buch so heiß und innig als “Wunder” habe loben hören, musste ich es natürlich haben und lesen:

Alberto Vigevani “Sommer am See”, eine Erzählung aus dem Italienischen von Marianne Schneider. Berlin (Friedenauer Presse) 2007, 127 Seiten, € 16,-.

Vigevani, selber bibliophiler Sammler und Verleger in Italien, hatte die Erzählung, die in den 30er Jahren des 20sten Jahrhunderts spielt, bereits 1958 veröffentlicht.

Worum geht es?
Eine Familie aus dem wohlhabenden Mailänder Milieu macht Urlaub am Comer See. Der 14-jährige Sohnemann Giacomo fühlt sich pubertierend vernachlässigt, verliebt sich erstmal in das Dienstmädchen Emilia und danach in eine ältere englische Touristin, die Mutter des verhätschelten Kindes (und dann auch Giacomos Spielgefährten) Andrew.

Eigentlich kümmert sich Giacomo um Andrew nur, weil er dessen Mutter für sich gewinnen will. Das gelingt natürlich nicht so, wie es Giacomo sich vorstellt. Es geht schief, und darum geht die Erzählung: Um das Erwachsenwerden während eines Sommers am See, um Erwartungen, Hoffnungen , Enttäuschungen.

Was man beim Lesen unbedingt beachten sollte:
Die Umgebung, die Natur.
Welche Stimmung hat der See? Welche Konsistenz und Farbe das Wasser? Wie fällt das Licht durch die Bäume? Ist die Luft feucht oder regnet es? Was treiben die Wolken?
Man merkt nämlich nach einer Weile: Es wird fast eine parallele Geschichte der Natur erzählt, die den emotionalen Zustand des jugendlichen Helden irgendwie kommentiert und ausdeutet. Da könnte man sich mal länger Gedanken dazu machen…
Übrigens: Aus der Friedenauer Presse sollte man bitte jedes Buch kaufen. Also auch dieses.