Kuprin - Meistererzählungen

Ich habe vor Jahren beim Antiquariat die edle Lederausgabe mit Goldschnitt und Leseband aus dem Manesse Verlag erstanden - auch antiquarisch immer noch unbezahlbar, auch zum halben Preis:

Alexander Kuprin “Meistererzählungen”, aus dem Russischen übersetzt von Eveline Passet und mit einem Nachwort von von Ilona Rakusa. Zürich (Manesse) 1989. 543 Seiten, bei Amazon zur Zeit nur gebraucht erhältlich, ab € 29,49 aufwärts.

Enthalten sind 8 Erzählungen, sie schwanken zwischen Sozialreportage, Milieuschilderungen der “besseren Gesellschaft” und mystischen Geschichten (”Der Stern Salomos”), wo Kuprin “Traum und Wirklichkeit, kabbalistischen Zauberspuk und psychologische Portraits zu einem spannungsvollen Gewebe verflicht” (Nachwort, s. 541).

Ich muss zugeben: Die 1896 entstandene Erzählung “Der Moloch” hat mich besonders beeindruckt. Sie dreht sich um eine Stahlgießerei im Donezbecken, wo ein sensibler Ingenieur die Behandlung der Arbeiter im “Moloch” durch den zynischen und profitgeilen Unternehmer nicht mehr aushält und gegen den Moloch sabotiert.

Jaja. So einfach ist das nicht, ich weiß. Das ist zu schwarz-weiß gemalt und heute sowieso nicht mehr relevant.

Besonders, wenn man die teure Lederausgabe mit Goldschnitt dazu in Betracht zieht.
Also: Man muss Kuprin nicht lesen (es gibt ihn derzeit sowieso nur antiquarisch), aber die Erzählungen haben schon eine ganz besondere Anziehungskraft und Atmosphäre, aus der Zeit der Jahrhundertwende und danach im “alten” Russland.
