Heinerblog

3.2.2009

Hoffmann - Elixire

Abgelegt unter: Bücher, Allgemein — Heiner.Eberle @ 20:39

Ich habe mal wieder einen Klassiker abgearbeitet: E.T.A. Hoffmann “Die Elixire des Teufels” Werke 1814 - 1816. Hrsg. Hartmut Steinecke  / Gerhard Allroggen. Frankfurt (Deutscher Klassiker Verlag) im TB 2007. 762 Seiten. € 15,–.

hoffmann-1.jpg

Mal wieder ein  wunderbar gearbeitetes Buch. Viel Geist fürs Geld. Ein sehr annehmbarer Hundertseitenpreis und eine sehr gute Ausstattung. Von den 762 Seiten sind 525 Seiten Text und der Rest ist Kommentar. Zu Leben und Werk, ein ausführlicher Stellenkommentar, ein Bildteil (mit Bühnenentwürfen zu der Oper “Undine” usw.

Neben den “Elixiren” sind noch eine Vielzahl musiktheoretischer Texte in dem Band enthalten, die man aber auch sehr schnell überfliegen / überlesen kann. “Undine” ist noch wichtig, aber auch nur was für Liebhaber von Opern-Librettos.

Worum geht es in der Schauergeschichte? Um Mord und Totschlag. Echte wahre Liebe und ganz große Gefühle.

hoffmann-2.jpg

Ein Mönch, “Medardus”, im Kloster, gönnt sich etwas von dem “Teufelselixir” und verliebt sich in eine Frau, wird nach Rom entsendet, um sich zu besinnen, ermordet im Wald einen Fremden, “Viktorin”, zieht bei einem Baron ein, ermordet dort “Hermogen”, vergiftet (?) “Euphemie” und flieht in die Stadt. Er begegnet mehrfach einem “Maler”, der alle seine Taten offensichtlich kennt und flieht ständig vor ihm. Dann beginnen die Verwechslungen mit einem wahnsinnigen Doppelgänger, der in einem Forsthaus Zuflucht gefunden hat und immer wieder auftauchen wird. Er nimmt immer wieder die Identität des Mönches an. Tot geglaubte tauchen dann plötzlich wieder auf. Ermordete sind gar nicht die, für die man sie hält usw. Und letztlich braucht es mehrere Kapitel, um die verschlungenen Verwandschaftsbeziehungen aufzuschlüsseln, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass man sie ohne Genealogie-Chart (und leider auch mit einem) überhaupt nicht versteht, und dann dadurch, dass sich Ereignisse an unterschiedlichen Generationsstellen wiederholen, als ob eine übergeordnete Macht ein Muster dazu vorgegeben hätte. Auch “Aurelie” übrigens, die Frau, deretwegen er das Kloster verlassen musste, taucht in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder auf und gleicht äußerlich auch wieder anderen weiblichen Personen der ganzen unseligen Verwandschaft. Ihre Figur ist wie ein Thema, das sich durch die ganze Historie durchzieht. Letztlich wird auch sie… (verrate ich nicht.)

hoffmann-3.jpg

Wenn man genauer darüber nachdenkt, geht es auch um so aktuelle Themen wie Identitätsverlust, die Macht des Unbewussten, die Frage der Willensfreiheit, Gefahren des Alkohols usw.

hoffmann-4.jpg

Also was red ich viel: Muss man irgendwann mal gelesen haben. Gehört zum Kulturgut. Und macht auch Spass.

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )