Heinerblog

11.2.2009

Winkler - Natura Morta

Abgelegt unter: Bücher — Heiner.Eberle @ 20:22

Ein wieder mal schwieriges Buch von dem besessenen Winkler:

Josel Winkler “Natura morta”, Eine römische Novelle. Frankfurt (Suhrkamp) 2001.  101 Seiten, € 14,95 oder als TB € 7,00.

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Amazon schreibt:

“Ein Begriff aus der Malerei steht programmatisch über der römischen Novelle von Josef Winkler. In Natura morta malt der Autor mit Worten den Triumphzug des Todes.

Schauplatz ist der Markt auf der Piazza Vittorio Emmanuele. Ein opulentes Augenmahl aus Fleisch und Blut bietet sich dar, Farben und Gerüche sind betäubend: ausgeweidete schwarze Ziegen, gespaltene Schafsköpfe, Gehirne auf rosarotem Fettpapier, violette Fliegen in silberglänzenden Augenhöhlen, dunkelrote Hühnerkämme. Frische grüne Rosmarinzweige übertünchen den Blutgeruch. Scherzend, schreiend, feilschend bewegen sich Verkäufer, Bettler, Zigeunerinnen, Nonnen, Kinder. Der Blick des Autors bleibt hängen an einem Jüngling, den Fische verkaufenden Piccoletto. “Ein schwarzhaariger, ungefähr sechzehnjähriger Junge, der lange, fast seine mit Sommersprossen übersäten Wangen berührende Wimpern hatte…” Sanft und begehrlich streift der Blick seine Bewegungen. Etwas kindhaft Unschuldiges haftet ihm an, die Szenerie der Schlacht- und Blutorgie im Hintergrund lässt Piccolettos Schönheit und Lebendigkeit nur stärker strahlen.”

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Die NZZ schreibt:

“Man muss schon sehr gläubig sein, um ein katholisches Hochamt in seinen Ritualen der Wiederholung nur geniessen zu können. Josef Winklers römische Novelle «Natura morta» stellt den Leser vor vergleichbare Probleme. Nicht dass es der 48-jährige Österreicher auf einen Gottesdienst im herkömmlichen Sinn abgesehen hätte, doch eine grosse Konfession stellt sein mittlerweile elf Prosabände umfassendes Werk allemal dar. Seit 1979 hat sich Winkler mit geballter Schreibwut von der Erniedrigung seiner Herkunft als Bergbauernsohn befreit, der in seiner Homosexualität am ländlich-armen, katholisch-konservativen repressiven Milieu zu ersticken drohte. In einem Akt radikaler Anklage und Selbstentblössung hat er der Öffentlichkeit seine Kindheit sozusagen vor die Füsse gekotzt – um zu Hause prompt als Nestbeschmutzer ausgegrenzt zu werden.”

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Und weiter:

“Serialität ist ein Geheimnis von Winklers auratischer Prosa, Hyperrealismus ein anderes. Hier die schwindelerregende Reihung von Adjektiven, das Staccato kurzer, untereinander logisch nicht verkoppelter Feststellungssätze (die sich mitunter auch zu komplizierten Relativsatzgebilden auswuchern können); hier die Wiederholung stehender Wendungen und fixer Bilder – und da der Kult des Indikativs, der Fanatismus des Details, das besessene Protokoll disparater Eindrücke, die dann im «Labor» zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt werden. «Expressiven Impressionismus» hat man dieses poetische Verfahren genannt, und in der Tat stellt die Natürlichkeit in «Natura morta» eine radikale Künstlichkeit dar. Die Dinge leuchten noch einmal in ihrer ganzen Sinnlichkeit auf, bevor sie zur Allegorie gerinnen. Winkler evoziert das Entsetzen – und versiegelt es gleichzeitig in der Artifizialität seiner Bilder.”

Irgendwie schon beeindruckend. Nach 100 Seiten ist man ziemlich verstört.

Also bitte mal lesen.

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