Davila
Auch ein Buch: Nicolàs Gòmez Dàvila “Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten”, Untertitel: “ausgewählte Sprengsätze”, herausgegeben und mit einem Essay von Martin Mosebach. Frankfurt a. M. (Eichborn) in der Reihe “Die Andere Bibliothek”. 316 Seiten, erste, gebundene, limitierte Auflage 2006, bei Amazon gebraucht für € 49,01, ansonsten als Reprint, auch schön für € 24,95.
Amazon beschreibt neutral:
“Sein Werk ist titanisch, der Mann fast unbekannt. Um die Verbreitung seiner Werke hat er sich nie besonders bemüht - aber jetzt, einige Jahre nach seinem Tod, scheint der Siegeszug von Nicolás Gómez Dávilas Aphorismen so etwas wie eine unaufhaltsame Notwendigkeit.
Wie hingeworfen wirken die Namen, die er den Büchern gab: Textos und vor allem Escolios. Ein Werk von einigen tausend Seiten. Nur, muss man sagen, denn aus Dávilas Schreibwerkstatt kommen ausschließlich extrem verdichtete, jahrzehntelang geschliffene Diamanten von größter Härte. Wenn Dávila irgendetwas scheute, dann waren es Denkverbote. Und so nimmt es nicht Wunder, wenn in ihnen mancher Sprengsatz verborgen ist. Martin Mosebach, seit Jahrzehnten Bewunderer und Verehrer von Dávilas Hauptwerk, hat aus Tausenden von Seiten die Crème de la Crème herausdestilliert und stellt in diesem Band einen Wortartisten und Denker von Weltgröße, einen würdigen Nachfolger und Fortdenker von Nietzsche und Schopenhauer vor.”
Ich denke: Man muss klar sagen: Davila ist gegen Liberalismus, gegen Demokratie, gegen die Moderne. Er ist ein Reaktionär im fanatischsten Sinne. Er hat selsame Auffassungen von Bildung (142), er argumentiert gegen die Freiheit, mit der er als alter Mann offensichtlich nichts anfangen kann (139), er spricht über die “Volksseele” (58), da wird es einem ganz schlecht.
Und auf S. 105 sagt er: “Dem Reaktionär ist es nur noch möglich, apodiktische Urteile zu verkünden, die dem Leser schwer im Magen liegen”: Und damit hatte er wohl seinen Spaß.
“Die Eugenik entsetzt diejenige, die deren Urteil fürchten” (164): Das ist unmenschlicher, zynischer, gefährlicher Blödsinn. und auf S. 244 bedauert er, dass “die Nation” die “ideale Gesellschaft des Heiligen Reiches” beseitigt.
Das muss man wirklich nicht haben.
Also bitte: Abstand halten. Ich habe mich geärgert. Und meine Meinung über Martin Mosebach revidiert.
