Mühlmann - Darwin
Das ist was eigenwilliges: Heiner Mühlmann “Darwin, Kalter Krieg, Weltwirtschaftskrieg”. Das Aussterben des amerikanischen “imperium”. Paderborn (Fink) 2009. 90 Seiten, € 14,90.

Ich habe das mit Genuss gelesen.
Klappentext:
“Kriege hinterlassen unauslöschbare Spuren in der kulturellen Evolution. Eine Folge des Kalten Krieges ist die Weltwirtschaftskrise. Hinter ihr verbirgt sich ein Weltwirtschaftskrieg. Die Darwinsche Theorie ist ein Beschreibungsmodell, das unsere Augen für neue Erkenntnisse öffnet. Das gilt nicht nur für die Genetik. Auch in der kulturellen Evolution erkennen wir Zusammenhänge, die wir ohne Darwins Modell übersehen hätten. Wir entdecken beispielsweise einen Beziehungsstrang, der von den Weltkriegen über den Kalten Krieg bis zum Immobilien-Crash in den USA und bis zur globalen Finanzkrise führt. In den undurchschaubaren Nebeln der Weltwirtschaftskrise wird ein monsterartiger Mutant des Krieges sichtbar: der Weltwirtschaftskrieg.

Der epistemologische Ansatz des Buchs wird aus der Übertragbarkeit der Darwinschen Theorie gewonnen. Sie ermöglicht die Modellierung von Kulturen als Evolutionsdynamiken. Dabei spielen bestimmte Verfeinerungen der Darwinschen Lehre eine wichtige Rolle. Zu diesen Verfeinerungen gehören folgende Theorien: Baldwin-Effekt ; Genetische Assimilation ; Kognitive Module ; Mikroevolution . ”

Heiner Mühlmann ist Professor im Département Forschung und Entwicklung” der HGK Zürich, lehrte am Collège international de philosophie Paris und lehrt gegenwärtig an der HfG Karlsruhe sowie an der Universität Stuttgart.

Er schreibt zwar durchgängig den Vornamen der Zukunftsforscherin Faith Popcorn als “Face”, aber weil das konsequent ist, ist es wohl eine Entscheidung und kein Druckfehler. “Faith” ist aber trotzdem richtig. Vielleicht hat Mühlmann doch nicht soviel Vertrauen in sie.
Aus ihrem “Cocooning”, aus Fukuyamas “Ende der Geschichte”, aus Luttwaks Voraussagen, aus Huntingtons These (”Clash…”), aus den Thesen des “Maximal Stress Cooperation” von Mühlmann selbst, aus Hansons “Autumn of war” und Bobbitts “Shield of Achilles” (market state) baut Mühlmann eine Erklärungs-Struktur der derzeitigen Krise der Weltökonomie, die ziemlich überzeugend ist.
Bis auf den Vornamen von Frau Popcorn. Und der alten Frage, ob es nicht auch andere Zukunftsprognosen gibt, die, hätte man sie zurate gezogen, zu ganz anderen Schlüssen geführt hätten.
Oder doch nicht?